Der Slam sucht seinen Meister

In Tübingen hat der Poetry Slam ein Zuhause – und so fand hier am 12. und 13. Mai die achte Poetry Slam Landesmeisterschaft statt. Der Höhepunkt dieses poetischen Wettkampfs war das Finale am Samstagabend. Acht Dichter und Dichterinnen aus ganz Baden-Württemberg standen vor dem ausverkauften Saal im Sudhaus, um mit Reimen und Emotionen das Lob des Publikums zu gewinnen.

Samstagabend, 20:30 Uhr, die Schlange vor dem Sudhaus geht bis zum Parkplatz, das Kassenpersonal ist aufgeregt, es wird streng kontrolliert, denn der Andrang ist groß. Trotz des hohen Eintrittspreises ist das Event ausverkauft. Im großen Saal des Sudhaus‘ fängt langsam die Party an. Dr. Phil und Mo ‘Tapez bereiten das Publikum mit lebendigen Hip-Hop Rhythmen vor.

Dr. Phil und Mo ‘Tapez sorgen für gute Stimmung vor der Show.

Nach zwei Vorrunden, die in den letzten Tagen stattgefunden haben, stehen acht Finalisten fest. Hank Flemming, Philipp Multhaupt, Lisa Maria Olszakiewiecz, Filo, Alex Simm, Daniel Wagner, Marvin Suckut und Jonathan Löffelbein treten an, um um den Applaus des Publikums zu kämpfen.

Das Publikum entscheidet: Wer wird BaWü’s Finest?

Die Lichter auf der Bühne gehen an, die Musik geht aus und Harry Kienzle tritt auf, um alle Willkommen zu heißen. Für alle, die zum ersten Mal auf einem Poetry Slam sind (fast ein Drittel der Gäste), werden die Regeln kurz erklärt: Poetry Slam ist im Großen und Ganzen ein Gedichte-Wettkampf, wobei es um nichts anderes als „die Schönheit der Sprache und die Schärfe des Humors“ geht. Anbei gelten die drei Regeln: (1) Alle Texte müssen selbst geschrieben sein; (2) Es dürfen keine Requisiten benutzt werden, „außer wenn man sich schon im Alltag als Käsebrot verkleidet, dann darf man natürlich als Käsebrot auftreten“ , so Moderator Harry Kienzle, und (3): Es gibt ein Zeitlimit von sechs Minuten. Die Wertungstafeln liegen in den Händen des Publikums . Sie sind die Jury, die bestimmen darf, wer der BaWü Poetry Slam Meister 2017 wird.

An diesem Abend entscheidet das Publikum über den Sieger.

Der Abend fängt mit einer tollen Überraschung für das Publikum an: Der beliebte Slammer und Gewinner des letzten Poetry Slams im Schlachthaus, Jean-Philippe Kindler, hüpft kurz auf die Bühne, um den Ton für den Abend mit einer sehr humorvollen Offenbarung über den tieferen Sinn dahinter „nur Gedichte zu schreiben“ zu setzen.

In der ersten Runde treten Hank Flemming, Philipp Multhaupt, Lisa Maria und Filo auf. Mit ihrem Frauen-Power-Gedicht über die griechische Göttin Athene gewinnt Lisa Maria Olszakiewiecz aus Stuttgart die ersten 10 Punkte von der Jury. Gleich danach kommt Filo, der die Herzen des Publikums dank einer Krabbengeschichte ebenfalls schnell zufliegen.

Die Themen: Erzfeinde, Burkas und Zungenbrecher

Runde zwei beginnt raketenschnell und gefühlsgeladen. Vor allem, wenn Alex Simm auf der Bühne steht und die Top-5 seiner Erzfeinde präsentiert. Es werden 10 von 10 vergeben. Marvin Suckut dichtet über Burkas und Lederhosen und andere kulturelle Klischees. Gleich danach bringt Jonathan Löffelbein das Publikum mit seinem Gedicht über den Rapper Max mit dem Zungenbrechernamen zum Lachen. Mit knappem Abstand gehen Alex Sinn und Marvin Suckut zusammen mit Lisa Maria ins Finale.

Pause. Kurz rausgehen, schnell eine Rauchen, etwas Bier trinken, etwas nachdenken, was auf Facebook posten. Denn dafür ist Poesie da: um etwas zu bewegen.

Passend dazu kommt nach der Pause Aylin Celik auf die Bühne und schafft es, mit ihrer Stimme und einer Gitarre das Publikum zu verzaubern. Und dann fängt es richtig an – der wahre Kampf der Giganten der Poesie. Eine Gruppe Studentinnen versucht, etwas näher an die Bühne zu kommen, die ältere Dame neben mir steht ebenfalls aufgeregt auf. Als erstes darf Marvin Suckut sein Gedicht über Tabea darstellen, das fragt und spiegelt, was der Sinn der Freundschaft sei. Als Zweiter tritt Alex Simm auf. Seine „10 Lektionen aus der Schule“ bringen ihm einen zweiminütigen Applaus und viermal die 10 von der Jury. Die Neugier steigt, die Zuschauer halten ihre Bierflaschen etwas fester. Jeder fragt sich, ob Lisa Maria das toppen kann?

Alex Simm slamt sich ins deutsche Finale in Hannover.

Jetzt liegt die Entscheidung in den Händen der Jury. Wertungstafeln werden schnell umgeblättert, Freunde geben ihren Rat und nach einem kurzen Atemzug werden die Tafeln hochgehalten. Das Publikum hat entschieden – Alex Simm ist der Gewinner dieses Bühnenwettkampfes. Er wird im Oktober für Baden Württemberg bei der deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaft in Hannover antreten.

Für alle anderen –  es geht weiter. Schon in einer Woche mit Poetry Slam/Lesebühne im Goldene Zeiten am Bahnhof. Denn auf den Tübinger Bühnen sind alle Dichter und Dichterinnen zuhause.

Fotos: Vassilena Terziyska.

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