Europatag: Wie denken Tübinger Studierende über die EU?

Heute vor 67 Jahren, am 9. Mai 1950, schlug der damalige französische Außenminister Robert Schumann vor, eine  europäische Produktionsgemeinschaft zu schaffen. Dies führte dazu, dass am 18. April 1951 mit der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EKGS) der Vorgänger der Europäischen Union gegründet wurde. Deshalb ist die sogenannte ,,Schumann-Erklärung“ seit 1985 Anlass für den alljährlichen Europatag. Aus diesem Grund: Wie denken Tübinger Studierende über die Europäische Union? Hier ein paar Schlaglichter.

,,Zusammenhalt, Vielfältigkeit, Immigration und ein gutes Miteinander“

Ebby studiert Germanistik und Anglistik.

Was bedeutet Europa für dich?

Europa bedeutet für mich Zusammenhalt, Vielfältigkeit, Immigration und ein gutes Miteinander.

Gibt es etwas, das du an der Europäischen Union ändern würdest?

Puh, das ist eine gute Frage. Wenn ich könnte, würde ich auf jeden Fall was ändern. Ich wäre dafür, dass das Ganze aus der Sicht der Einwanderer gesehen wird und nicht immer nur gesagt wird ,,Deutschland nimmt zu viele Einwanderer auf“.  Wir alle sind gleich. Es heißt Europäische Union und das bedeutet ja Zusammenhalt. Deswegen wäre ich für eine flüchtlingsfreundlichere Politik.

Findest du die Europäische Union sollte auch in Zukunft erhalten bleiben?

Auf jeden Fall. Weil ich hoffe, dass es eines Tages eine EU gibt, in der wir weniger gegeneinander und mehr miteinander sind, gerade im Hinblick auf die Flüchtlingskrise. Und ich glaube nicht, dass es die einzige Krise sein wird.

,,Mensch ist Mensch, da gibt’s nichts dazwischen“

Der 26-jährige Mohammed studiert BWL im Master.

Was bedeutet Europa für dich?

Europa ist Europa. Für mich kann man nicht sagen, ,,Deutschland ist allein“ oder ,,die anderen Länder sind allein“.

Findest du die Europäische Union sollte auch in Zukunft erhalten bleiben?

Ich finde, alle Länder sollten sich zusammen tun. Nicht nur Europa. Alles gehört zusammen. Denn Mensch ist Mensch, da gibt’s nichts dazwischen. Wir sind alle gleich. Ein Mensch aus Südafrika zum Beispiel ist genauso Mensch wie jemand aus England.

,,Den ein oder anderen Staat in eine gewisse Verantwortung bringen“

Lars studiert Englisch und Geschichte auf Lehramt und ist 22 Jahre alt.

Was bedeutet Europa für dich?

Europa ist eine Wertegemeinschaft und bedeutet freier Handel innerhalb der EU. Für mich selber bedeutet es die Möglichkeit, überall innerhalb von Europa zu reisen. Auch Produkte aus Europa sind immer erhältlich.

Hatte die EU schon Auswirkungen auf dein Leben? Wenn ja, welche?

Ja, ich muss kein Visum beantragen wenn ich innerhalb Europas reise.

Gibt es etwas, das du an der Europäischen Union ändern würdest?

Wenn es möglich wäre, fände ich es schön, wenn man den ein oder anderen Staat in eine gewisse Verantwortung bringen könnte – gerade was die Flüchtlingskrise angeht. Länder wie Ungarn und Slowenien, die Nutznießer von den wirtschaftlichen Aspekten sind, aber sich dann nicht an der Flüchtlingskrise beteiligen wollen. Andererseits hätte man das vor ein paar Jahren auch über Deutschland sagen können, mit den ganzen Lampedusa-Flüchtlingen damals. Von daher ist das immer ein mehrschneidiges Schwert.

Findest du die Europäische Union sollte auch in Zukunft erhalten bleiben?

Ja, auf jeden Fall. Das ist einfach fortschrittlicher als dieses Nationalstaatendenken.

,,Diese Abschottung macht für mich überhaupt keinen Sinn“

Ann-Kathrin ist 24 Jahre alt und studiert Empirische Kulturwissenschaft und Medienwissenschaft.

Was bedeutet Europa für dich?

Europa bedeutet für mich Reisen ohne Grenzen und Interaktion ohne Grenzen. Es ist eine Einheit von verschiedenen Nationen.

Hatte die EU schon Auswirkungen auf dein Leben? Wenn ja, welche?

Ja, weil ich in der Schule bei vielen Austauschen mitgemacht habe – nach Ungarn, Frankreich und England.  Das wäre ohne die EU gar nicht so einfach möglich gewesen.

Gibt es etwas, was du an der Europäischen Union ändern würdest, wenn du es könntest?

Ich habe schon ein paar kritische Stimmen über die EU gehört, aber mich als Studentin belastet das nicht so sehr im alltäglichen Leben. Ich habe mal mit einem Bäcker geredet, der sich darüber beschwerte, dass er genau deklarieren muss, was und wie viel in seinem Gebäck enthalten ist – und das kann er sich als kleiner Bäcker kostenmäßig nicht leisten. Da wurde für mich klar, dass die EU Regeln aufsetzt, die überhaupt nicht an die Regionen angepasst sind und die gerade für Privatpersonen für Schwierigkeiten sorgen.

Findest du die Europäische Union sollte auch in Zukunft erhalten bleiben?

Ja! Ich schätze den Austausch zwischen den Nationen sehr und allein wenn man die globalen Verhältnisse betrachtet, macht die EU auf jeden Fall Sinn. Diese kleine Nationalstaatlichkeit und diese Abschottung macht für mich überhaupt keinen Sinn.

,,Da pumpen wir mehr Geld rein als wir sollten“

Isabell ist 26 Jahre alt und studiert Computerlinguistik.

Was bedeutet Europa für dich?

Ich finde das Konstrukt Europa sehr wichtig, weil es viele Freiheiten erlaubt. Innerhalb der EU zu Reisen zum Beispiel.

Hatte die EU schon Auswirkungen auf dein Leben? Wenn ja, welche?

Ja, ich war zum Beispiel mit dem Erasmus-Programm in Wales und habe dafür Unterstützung bekommen.

Gibt es etwas, was du an der Europäischen Union ändern würdest, wenn du es könntest?

Wenn ich könnte, würde ich keine Länder wie Rumänien in die Europäische Union reinholen, weil ich finde, dass sie rein wirtschaftlich gesehen nicht auf der gleichen Höhe wie zum Beispiel Deutschland, Frankreich oder Belgien sind. Da pumpen wir mehr Geld rein als wir sollten. Länder, die man reinholt, sollten auf einer ähnlichen wirtschaftlichen Höhe sein.

Fotos: Leo Schnirring

 

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