Das Wichtigste auf der Welt: Frieden

Redner, die von Frieden sprechen – John F. Kennedy ist einer davon. Am Dienstagabend erhielt dessen Friedensrede durch die Performance „JFK-Show“ der Gruppe „Die Redner“ eine neue Aktualität. „For peace is a process – a way of solving problems“ – umso wichtiger also, dass in Zeiten wie diesen jener Gedanke wieder ins Gedächtnis gerufen wird.

„Damals waren die Reden noch größer als Tweets.“ Mit diesem Satz holt Christopher Gohl vom Weltethos-Institut John F. Kennedys „Friedensrede“ von 1963 in die heutige Zeit und den aktuellen Kontext. Eine Rede über die Hoffnung auf Weltfrieden und die Annäherung zweier globaler Gegenspieler wird dadurch dem aktuellen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gegenübergesetzt – unter anderem durch ihn und seine Tweetausbrüche bangen viele um eine friedliche Zukunft der Welt.

World peace […] does not require that each man loves his neighbor, it requires only that they live together in mutual tolerance, submitting their disputes to a just and peaceful settlement. (John F. Kennedy)

Diesen Gedanken verfolgen auch „Die Redner“ – eine Gruppe von vier Musikern aus Berlin – selbst. Mit ihrer multidimensionalen Performance „JFK-Show“ machen sie neue Reflektionsebenen der ursprünglich an der American University gehaltenen Rede erkennbar: Der Sprechrhythmus des 35. Präsidenten der USA fügt sich ein in die musikalische Untermalung der vier Künstler – Jazz-Sounds hallen immer wieder durch den Saal des LTT und nehmen in ihrer Wucht die Zuhörer gefangen.

Doch die Besucher sind nicht nur Zuhörer. Über eine breite Leinwand hinter den „Rednern“ flackern immer wieder Bilder und Videoaufnahmen: Originalaufnahmen JFKs bei Raketentests auf einem Flugzeugträger, Collagen aus Bildern der Kennedys, berühmten amerikanischen und sowjetischen Bauwerken und Popkultur, Ausdruckstänzer und Theaterszenen – mal den Text der Rede visuell unterstützend, dann wieder historisch-kritisch konterkarierend vervollständigen sie die gleichzeitig künstlerische und politische Performance.

And is not peace […] a matter of human rights: the right to live out our lives without fear of devastation; the right to breathe air as nature provided it; the right of future generations to a healthy existence? (John F. Kennedy)

Besonders stark wirkt hierbei ein Element nach. Parallel zu Kennedys Satz „To secure these ends, America’s weapons are nonprovocative, carefully controlled, designed to deter, and capable of selective use“ erscheinen auf den Leinwänden Bilder aus dem Vietnamkrieg – 1967, nur vier Jahre nach der Friedensrede – oder den militärischen Einsätzen in Afghanistan im Jahre 2006. Es ist traurig, wie kurz nur die Worte Kennedys, die den Gedanken des globalen Friedens und des Daseins als Weltbürger in den Menschen verankern sollten, in den Köpfen der Mächtigen blieben. Damit ist die „JFK-Show“ auch eine Warnung, diesen Weg nicht aus den Augen zu verlieren.

Der Applaus für „Die Redner“, aber auch für die Worte JFKs, ist lang und verhältnismäßig laut, betrachtet man den leider nur zum Drittel gefüllten Saal. Doch egal ob nun man nun Gast dieser Veranstaltung war oder nicht: John F. Kennedy lebt weiter – und wenn es nur seine Hoffnung und sein Appell für eine globale Völkerverständigung, einen positiven Austausch und eine friedliche Welt ist, die nachhallen: „And that is the most important topic on earth: peace.“

Die JFK-Show ist eine multimediale Performance der Berliner Gruppe „Die Redner“. Neben Kennedy erhielten auch schon Willy Brandt, Charles de Gaulle und Léopold Sédar Senghor ihre Show-Umsetzung. Rhetorik, Musik, visuelle Eindrücke und geschichtlicher sowie aktueller Kontext verbinden sich zu einer Einheit und verleihen den Reden so, unter dem Gedanken des Friedens, eine noch heute spürbare Relevanz.

Das Deutsch-Amerikanische Institut holte die Redner gemeinsam mit dem Weltethos-Institut ins LTT nach Tübingen.

Foto: S. Kalweit, DIE REDNER

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