Tigers können doch noch gewinnen

Nach langem Zittern und etwas Glück haben die Walter Tigers Tübingen den Negativtrend gestoppt und endlich den erst zweiten(!) Heimsieg der laufenden Saison eingefahren. Gegen den direkten Abstiegskonkurrenten RASTA Vechta gelang nach zuletzt neun Niederlagen in Serie der so wichtige Sieg, der gefühlt auch direkt den Klassenerhalt mit sich bringt.

Rechenspiele im Laufe einer Saison sind in aller Regel Dinge, die nur Fans betreiben dürfen. Idealerweise, weil sie glauben, das eigene Team noch in die Playoffs addieren zu können, oder aber, wie im Falle der Tübinger, um die Mannschaft vor dem Abstieg zu retten. Die Offiziellen und Verantwortlichen distanzieren sich eher von solchen Rechenschieberspielchen, sowieso wenn die Saison noch einige Monate vor sich hat.

Doch am heutigen Sonntag war das alles ein wenig anders. Denn nach dem Ausschluss Hagens aus der Liga gibt es bekanntermaßen nur noch einen Absteiger aus der Basketball Bundesliga – allem Anschein nach der Aufsteiger aus Vechta oder eben die Tübingen Raubkatzen. Beide Klubs sind dabei in historisch schlechter Verfassung – Vechta steht seit dem 6. Spieltag bei lediglich zwei Punkten und konnte vor dem Spiel bereits auf 14 Niederlagen in Serie zurück blicken; die Tigers konnten ihrerseits seit dem Erfolg im Hinspiel keine Partie mehr für sich gewinnen, was in Form von 9 Niederlagen einen neuen negativen Vereinsrekord bedeutet. Daher war die Lage recht eindeutig: gewinnt Tübingen dieses Kellerduell, bleiben sie in der Liga – allen Rechenspielen zum Trotz.

Tigers nehmen den Kampf an – zunächst

Die Hausherren schienen sich auch vom Anpfiff an der Lage tatsächlich bewusst zu sein. Schon nach wenigen Sekunden gingen die Tübinger durch McGhee in Führung, insgesamt wirkte das Team vom Start weg sehr bissig und konzentriert. So steigerten die Raubkatzen kontinuierlich die Punkte nach oben, konnten zudem durch Steals und wichtige Rebounds immer weiter den Vorsprung behaupten und ausbauen. Überragende 25 Punkte waren es am Ende des ersten Viertels auf Seiten der Tübinger, nur zehn mehr als bei den Gästen.

Doch die Walter Tigers wären nicht die Walter Tigers, wenn sie nicht viel zu nette Gastgeber wären. Der bisher einzige Heimsieg der laufenden Saison datiert schließlich noch aus dem September letzten Jahres. Daher konnte Vechta plötzlich die Oberhand gewinnen und das Spiel an sich reißen. Zehn Punkte Führung wurden so bis zur Halbzeit zu einem 1-Punkte-Rückstand. Das 40:41 zur Pause wurde unter einem Raunen der zahlreichen Fans wahrgenommen. Vechta war dran.

Ein Duell auf Augenhöhe

Was dann in den nächsten zwanzig Spielminuten folgte, war ein regelrechter Schlagabtausch. Zwar konnte Tübingen eigentlich von Beginn des dritten Viertels das Heft wieder in die eigene Hand nehmen, doch eine Führung von wenigen Punkten erschien nie als gesichert angesichts der aufopfernden Leistung der Gäste aus Niedersachsen. Doch am Ende sollte auch das Glück in einigen engen Szenen den Ausschlag geben: während doch so mancher Dreier der Hausherren seinen Weg in den Korb fand, mussten die Fans aus Vechta immer wieder Fehlversuche hinnehmen, die auch den Ballbesitz in gegnerische Hände überließ.

So konnten die Walter Tigers endlich wieder einen Sieg über die Zeit retten, noch dazu endlich wieder zuhause. Dass die Erleichterung bei Fans, Spielern, aber auch Verantwortlichen am Ende ins Gesicht geschrieben war, erscheint noch als Untertreibung – auch wenn allen Beteiligten klar sein muss, dass heute nur das absolute Saisonminimum erreicht wurde. Trotzdem scheint Tübingen nun in der paradoxen Situation zu sein, schon zu diesem Zeitpunkt den Klassenerhalt erreicht zu haben. Drei Siege Vorsprung mit gewonnenem direktem Verhältnis sollten selbst bei noch zwölf ausstehenden Spielen ausreichen, um die Liga zu halten. Es bleibt zu hoffen, dass die gewonnene Zeit und auch Leichtigkeit genutzt wird, um richtige Schlüsse zu ziehen und den Fans wenigstens in den Heimspielen noch etwas zurückgeben zu können.

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