„Top-Dogs“ – wenn Bosse entlassen werden

Derzeit läuft Urs Widmers „Top Dogs“ im Brechtbau-Theater. Ein Stück, das von jenen Arbeitslosen spricht, die vor ihrer Entlassung die Positionen in einflussreichen Bereichen des Top-Managements besetzt haben. Mit Hilfe der New Challenge Company versuchen diese nun ihr Leben wieder in den „Griff“ zu bekommen. Ob dies jedoch gelingt?

Als Frau Battke in Kleid, Blazer und High Heels den Raum der NCC betritt und während der Vorstellung ihrer Person beginnt, die Tätigkeiten ihrer Arbeit beim Lufthansa Catering Service zu beschreiben, wird sofort klar: Sie identifiziert sich nicht nur mit ihrem Beruf, sondern auch mit der damit einhergehenden tatsächlichen oder imaginierten Macht. Obwohl die Kündigung faktisch schon eingetreten ist, scheint diese für sie undenkbar.

„Jobsuche ist ein Fulltime-Job!“

So erledigen die „Insassen“ der NCC jede noch so sinnfreie Aufgabe im Outplacement Center. Jeder von ihnen verkörpert ein anderes Schicksal. Eines haben sie jedoch gemeinsam: Jede Figur leidet unter ihrer Entlassung und kann, wenn überhaupt, nur schwer begreifen, dass sie nun zu den Entlassenen gehört.

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Die einstige Projektleiterin bei einer Turbinenfirma, FrauRückert, beschreibt das Szenario ihrer Kündigung.

Die Top Dogs haben sich nicht nur von ihrem Beruf, sondern auch von ihrem Privatleben und vor allem von sich selbst entfremdet. Das Gefühl von Liebe oder Familienglück ist für die Charaktere nicht mehr möglich. Stattdessen streben diese nach ihren alten Zielen: Macht, Einfluss, Ansehen und Geld. Diese Macht äußert sich auf der Bühne immer stärker in körperlicher Gewalt und Vereinsamung des Individuums.

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In der Übung des Rollenspiels nimmt Frau Reinhardt die Rolle der Chefin an und soll für sich selbst die Kündigung aussprechen.

Eine Befreiung aus dieser sozialen Apokalypse bleibt aus

Träumen nicht viele davon, in der obersten Etage zu sitzen, viel zu sagen zu haben und dazu noch ein beachtliches Gehalt zu verdienen? Was jedoch passieren kann, wenn genau dieser Traum zerplatzt, der dauerhafte Ab- oder Ausstieg eintritt und die eigene Identität im Zuge dessen in die Brüche geht, zeigt dieses Stück auf eine erschütternde, aber zugleich auch lustige Art und Weise. Ein Stück zum Nachdenken, das mit dem Schwerpunkt der Personalfreisetzung den Kern der Zeit getroffen hat.

„Top Dogs“: Inszeniert von Frank Seeger, besetzt mit Patricia Battke, Gero Bauer, Jochen Braun, Elif Celikoglu, Konrad Lenhard, Michaela Morlock, Marion Reinhardt, Irina Rückert und Eva Schwendemann. Noch zu sehen: Dienstag, 24. Januar bis Freitag, 27. Januar, jeweils um 20 Uhr im Brechtbau-Theater. Karte kosten 6 Euro.

Fotos: David Klumpp.

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