AIDS Gala mit Überraschungspotenzial

Leuchtende Diabolos, Zauberer, Kabarettisten und frivole Songs. Am Sonntag zeigte das LTT, dass eine AIDS Spendengala auch anders geht. Anstelle eines erhobenen Zeigefingers, der mahnend über der Veranstaltung schwebt, während ein bedrückendes Symposium über die Gefahren der Krankheit aufklärt, stand an diesem Abend der Spaß am Leben im Vordergrund.

Am 1. Dezember ist Welt-AIDS-Tag und überall auf der Welt steht die unheilbare Krankheit heute besonders im Fokus. Auch hier in Tübingen beschäftigt das Thema AIDS. So fand vergangene Woche zum 24. Mal das Varieté zu Gunsten der AIDS-Hilfe im LTT statt. Acquired Immune Deficiency Syndrome, oder AIDS, ist eine sexuell übertragbare Krankheit, die zu einer Zerstörung des Immunsystems führt und das Risiko von Infektionen und Tumoren erhöht. Deutschlandweit sind geschätzt 84.700 Menschen betroffen und obwohl inzwischen durch Medikamente die Symptome bekämpft werden können, gibt es noch keine Heilung.

Über ein Dutzend Künstler machten an diesem Abend auf die Krankheit aufmerksam und verzichteten für den guten Zweck auf ihre Gage. Die Einnahmen des Abends sollen an ein Wohnungsprojekt gehen, um AIDS-Kranken erschwinglichen Wohnraum in Tübingen zu ermöglichen.

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Moderator Jakob Nacken heizt das Publikum ein.

Quasi ungefährliche Unterhaltung

Moderiert von dem Schauspieler Jakob Nacken erwies sich der größte Teil des Abends für das zumeist ältere (über 40) oder recht junge (unter 16) Publikum als ein leicht bekömmliches Unterhaltungsprogramm.

Die integrative Rockband Soulhossas zeigte, dass es in der Musik keine Rolle spielt, ob man eine Behinderung hat oder nicht. Der Zauberer Ben Profane führte einen Kartentrick vor, bei dem er nicht nur auf einem Pogostick quer durch den Raum hüpfte, sondern mit dem Kopf dabei in einem riesigen Luftballon steckte. Ihm folgte der Kabarettist Uli Böttcher, zwei Showeinlagen des Diabolo-Künstlers Kevin Knochen und eine geradezu hypnotisierende Vorstellung der Sandmalerin Katrin Weißensee. Sogar ein kleiner Gedichtwettbewerb für das Publikum wurde mit eingebaut.

Bis zu diesem Punkt war man überzeugt, dass es sich um eine angenehme Familienveranstaltung handelt. Eltern und Senioren hätten einen angenehmen Abend verlebt und anschließend die Kinder ins Bett gebracht. Stattdessen dürfte nach dem letzten Auftritt des Abends Erklärungsbedarf bestehen. Beispielsweise: Was bedeutet –

„Einen Faschisten Fisten“

Denn der Abend schloss mit der Band Suchtpotential, die ihr Genre selbst als Alkopop bezeichnen. Musik von Betrunkenen für Betrunkene. Und bereits nach dem ersten Lied darüber, mit einem heißen Bauern ins Bett zu steigen, wurde klar, dass dieser Show-Act nicht ganz dem Geschmack des Ü-40-Publikums entsprach.

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Die Band Suchtpotenzial sorgte für gute Musik, aber auch für  große Augen bei dem einen oder anderen Zuschauer.

Tatsächlich erschien das Lied Ficken für den Frieden bei einer AIDS-Gala etwas makaber, auch wenn der Satz „Fickt um euer Leben“ durch „Aber immer mit Kondom“ ergänzt wurde. So wurde auch der Refrain „Ficken, ficken, ficken, ficken, ficken, ficken“ vom Publikum nicht aufgegriffen. Trotzdem gab es unter dem Publikum einzelne Parzellen – darunter ein gewisser Redakteur der Kupferblau – die alt genug waren, um die Inhalte zu verstehen und jung genug, um sie lustig zu finden.

Doch auch, wenn sich von den Gesichter der einen oder anderen Dame eine gewisse Pikiertheit ablesen ließ, war der Abend generell ein Erfolg. Eine genaue Zahl, wie viel Geld eingenommen werden konnte, ist noch nicht bekannt, es wird allerdings mit mehreren tausend Euro gerechnet.

Gemeinsam gegen AIDS – mehr Infos unter: https://www.welt-aids-tag.de/

Fotos: Robin Graber.

 

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