Undurchschaubar wie Dunkelbier

Wie es mit dem Bierkeller weitergeht, ist nach wie vor unklar. Rückhalt bekommt er von FSVV, StuRa und durch eine Petition. Das StuWe kann keine verbindlichen Aussagen machen. Kleiner Hoffnungsschimmer.

Die Zeile der Musikgruppe Deichkind aus dem Jahr 2000 bringt es ziemlich genau auf den Punkt, stimmen Kai und Luka vom Bierkeller zu. Sie wissen im Moment ebenso wenig, ob und wie es mit der legendären Studentenkneipe unter der Mensa in der Wilhelmstraße weitergehen wird. Aber was genau ist die Sachlage? Nach dem Bericht vom 21.10.2016 im Tagblatt sind viele Besucher und das 15-köpfige Betreiber-Team verunsichert. Im Rahmen des Zentralcampus-Konzepts werden kurz- und mittelfristig große bauliche Veränderungen die geisteswissenschaftlichen Bereiche der Universität betreffen. Neben dem Schiebeparkplatz, der einem neuen Wohnheim weichen soll, ist auch die Mensa in der Wilhelmstraße von den Planungen betroffen. Das Baudenkmal wird entgegen ersten Gedanken nicht abgerissen, sondern umgebaut. Dort fangen die Probleme an: Laut der aktuellen Planung soll der Vorplatz der Mensa abgesenkt werden. Die Konsequenz wäre, dass die Deckenhöhe in den Räumen des Bierkellers zu niedrig werden würde. Weiterhin sind die Räume in Zukunft als Lagerräume eingeplant – kurz gesagt: Das Ende des Bierkellers scheint besiegelt.

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Der Bierkeller ist eine Studentenkneipe mit Kult-Faktor und Tradition. Doch in letzter Zeit ist die Frage um seine Zukunft “undurchschaubar wie Dunkelbier”, nach einem Song von Deichkind.

Katerstimmung?

Neue Örtlichkeiten zu finden dürfte ebenso schwierig werden, wie für die nötige Infrastruktur zu sorgen. „Wenn der Bierkeller wirklich raus muss, wird es ihn wahrscheinlich nicht mehr geben“ hält Kai Stuber ganz realistisch fest. Der Mathematikstudent ist der aktuelle Pächter der unterirdischen Räume. Er ist der Ansprechpartner des Teams von 14 gleichberechtigten Kollegen, sie alle verdienen sich hier ihren Lebensunterhalt. Aber um das Geld geht es nicht primär, denn reich werden die Betreiber des Bierkellers nicht, bei dem was sie tun. Die Hauptsache sei der gemeinsame Spaß, den man hier erlebe. Und das Konzept der Selbstverwaltung funktioniert sehr gut, wie 30 Jahre Geschichte eindrucksvoll zeigen. ‚Von Studenten für Studenten‘ ist die Maxime der Betreiber. „Dafür sind wir sehr professionell“ finden sie. Zurecht, denn die all abendlich gut gefüllten Tische im Bierkeller sprechen eine deutliche Sprache. Er ist eine soziale und kulturelle Institution für Studenten geworden. Wer die letzte echte Studentenkneipe in Campusnähe nur auf die alkoholischen Getränke oder ihre unterirdische Lage reduziert, tut ihr Unrecht. Tübingens Baubürgermeister Sölke hatte den Bierkeller kürzlich als „Loch“ bezeichnet. Erwiesenermaßen haben hier mehrere Studierende ihren Lebenspartner gefunden – wie bei einer schnell ins Leben gerufenen Petition gegen die drohende Schließung ans Licht kam. Auch StuRa und FSVV haben dem Bierkeller derweil ihre Unterstützung ausgesprochen.

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Das Bier geht? Geht es nach den Studierenden, muss der Bierkeller bleiben.

Also wohl eher Liebesnest als Loch. In jedem Fall ist der Bierkeller ein wichtiger sozialer Raum in der Tübinger Tallage. Und hier kommt das Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim ins Spiel. Dem Landesstudentenwerkgesetz folgend ist es unter anderem seine Aufgabe, kulturelle und soziale Interessen zu fördern. Dieser kommt es ohne Frage nach. Dass der Bierkeller eine eigenständige Einrichtung Studierender und nicht des StuWE ist, dürfte den meisten auch klar sein. Und dort scheint auch das Hauptproblem zu liegen. Während der Bierkeller nur Pächter beim StuWe ist, bekommt dieses die Mensa wiederum vom Land zur Verfügung gestellt. „Das Land weiß vermutlich gar nichts vom Bierkeller“ glaubt Kai. Die soziale Bedeutung des Bierkellers ist unbestritten, aber liegt nicht direkt im Verantwortungsbereich der öffentlichen Institutionen.

StuWe: Kein Interesse den Bierkeller zu schließen

Simon Leimig, Pressesprecher des StuWe, kann auf Nachfrage für ein wenig Aufklärung sorgen. Das Studentenwerk selbst ist nicht Eigner der Mensa, sondern das Land Baden-Württemberg. „Wir haben unsere Wünsche geäußert, aber auf die Planung keinen Einfluss“ sagt er. Im Vordergrund steht für das StuWe dabei der optimale Betriebsablauf und ein zusammenhängendes Flächenkonzept um für zukünftige Studierendengenerationen gerüstet zu sein. Grund für die geplante Absenkung des Vorplatzes ist eine angestrebte Barrierefreiheit. Klarheit, wie sie sich alle Betroffenen eigentlich wünschen, wird es aber wohl so schnell noch nicht geben. Das Baugesuch ist noch nicht eingereicht und die Bauerlaubnis somit ebenfalls nicht erteilt. Dem StuWe und Bierkeller bleibt solange wohl nur das gespannte Warten auf eine Entscheidung durch das Land übrig – fraglich, ob es sich der Tragweite seiner Entscheidung bewusst ist. Vielleicht besteht aber auch noch ein wenig Hoffnung für die studentische Kneipenlegende: Denn zwischen den Betreibern des Bierkellers und dem Studierendenwerk scheint es zu stimmen. Pächter Kai Stuber lobt beispielsweise die guten Konditionen und die gute Zusammenarbeit – und der Pressesprecher des StuWe, Simon Leimig hält klar fest:

„Wir haben definitiv kein Interesse daran, den Bierkeller zu schließen.“

Fotos: Marko Knab

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