Literatur trifft Wissenschaft

Zum Abschluss der zwanzigsten Poetik-Dozentur verabschiedeten sich die amerikanische Schrifstellerin Siri Hustvedt und der Neurophysiologe Vittorio Gallese mit einer Podiumsdiskussion. Die vergangene Wochen hatten sie als Gast in Tübingen Vorlesungen, Seminare und Workshops gegeben.

Von Neurophysiologie bis Donald Trump

Neben Wissenschaft und Literatur war auch Politik ein Thema, das sich durch die Veranstaltungswoche zog. Wenn es um Politik geht, dürfen wir nicht vergessen, dass wir alle gefragt sind – so Siri Hustvedt. In Bezug auf die Wahl Donald Trumps in den USA – für die Schrifstellerin der Horror – will sie auf allen ihr möglichen Ebenen Widerstand leisten. Nach Vittorios Meinung kommt die Angst der Menschen vor allem durch die Medien. „The times we are living in are not easy times“, sagt Gallese.

Woher kommen Emotionen?

In diesem Zusammenhang stellt sich für Prof. Dorothee Kimmich, die die Poetik Dozentur seit 2004 organisiert, die Frage, welche Rolle Emotionen spielen und wo diese ihren Sitz haben. Hier sind sich die beiden Wissenschaftler einig: Körper und Geist stehen in einer Wechselbeziehung zueinander. Siri Hustvedt zitiert dazu einen Satz von Einstein: Es käme auf die körperlichen Empfindungen an.

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Damit die Stimmen ihrer Geschichten zu echten Charakteren werden, müssen diese eine Art Beat bekommen, ein Tempo nach vorne haben und sich selbst entwickeln. „I have to feel the form“ – Siri Hustvedt.

Kunst als Bindeglied

Vittorios Forschungen über menschliche Emotionen und Körperbilder ergeben ein Modell, das zur Erklärung menschlicher Interaktion und Lernprozesse beiträgt. Diese Ergebnisse lassen sich jedoch auch auf die Kunst übertragen. Die künstlerische Nachahmung sei die Bedingung für menschliche Wahrnehmung und Erkenntnis. Ästhetische Erfahrungen sind freie Erfahrungen. Denn erst der ästhetische Rahmen gibt die Freiheit Dinge auszuprobieren. „The possibility to live a possible life of a character in novel is very wonderful“.

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Gallese forscht am Institut für Neurowissenschaften der Universität Parma und ist zusätzlich als Gastwissenschaftler an der Columbia University. Für die medizinische und wissenschaftliche Zukunft träumt er davon, dass erkannt wird, dass es eine enge Verbindung zwischen dem Nerven- und Hormonsystem des Menschen gibt.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion fand die Feier zum 20-jährigen Jubiläum der Tübinger Poetik Dozentur statt. Alle Besucher waren herzlich eingeladen.

Genauere Informationen zur Tübinger Poetik Dozentur sind unter folgendem Link zu finden:

http://www.uni-tuebingen.de/fakultaeten/philosophische-fakultaet/fachbereiche/neuphilologie/deutsches-seminar/abteilungen/neuere-deutsche-literatur/tuebinger-poetik-dozentur.html

Fotos: Felix Müller.

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