„Ein Leuchtturm der Universität“

Das Museum der Universität Tübingen feierte am vergangenen Freitag im Festsaal der alten Aula sein zehnjähriges Jubiläum. Der Abend stand unter der Frage: Ist eine Universität überhaupt in der Lage, ein Museum zu führen? Darüber diskutierten Redner aus Deutschland, Großbritannien und den Vereinigten Staaten.

Mehr als 100.000 einzelne Objekte und 65 Sammlungen aus Botanik, Kunst, Geologie und vieles mehr kann das Museum der Universität Tübingen vorweisen. Einige der ältesten Kunstwerke der Menschheit bewahren Ernst Seidl, Direktor des Museums, und sein Team in dieser Sammlung auf.

„Bindeglied zwischen der Wissenschaft und der Öffentlichkeit.“ – Rektor Bernd Engler über das MUT.

Im Rahmen des Symposiums spricht Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen, von „hervorragendem Anschauungsmaterial in der Lehre“. Trotz der digitalen Zeiten, in denen wir leben, sei es unverzichtbar die „Fassbarkeit der Materialität“ nicht zu vergessen, so Engler. Es sei ihm wichtig, das Museum lebendig und kontextgebunden zu gestalten.

Das MUT für Studierende und Forschende

Studierenden und Forschenden wolle man, so Cornelia Weber, Leiterin der Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen, die Möglichkeit bieten, das Museum für objektbasierte Forschungen zu nutzen. Für jeden Studenten der Universität Tübingen ist das Museum frei zugänglich. Umso erschreckender findet es Weber, dass an vielen Unis die Studenten ihren Bachelor machten, ohne ein einziges Mal davon gehört zu haben, dass ihre Universität ein eigenes Museum habe.

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„Leuchtturm der Universität Tübingen“: Direktor Ernst Seidl ist stolz auf die Errungenschaften der vergangenen zehn Jahre. Das MUT steht Studierenden, Forschenden, sowie der Allgemeinheit zur Verfügung. Studierende müssen nichts bezahlen.

Kann eine Universität ein Museum führen?

Nicht nur die Eberhard Karls Universität Tübingen, sondern viele weitere akademische Einrichtungen in Deutschland besitzen ein eigenes Universitätsmuseum. Doch die Einrichtung und Pflege einer solchen Sammlung gehört nicht unbedingt auf den ersten Blick zu den Kernaufgaben einer Universität. „Können Universitäten überhaupt Museen führen?“, ist eine der wesentlichen Fragen der Tagung.

Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes e.V. und Direktor des badischen Landesmuseums Karlsruhe, findet, dass es wesentliche Unterschiede zwischen Universitätssammlungen und „echten Museen“, wie er es überspitzt formuliert, gäbe.

Normale Museen stünden allen offen und würden versuchen auch mit Hilfe von Werbung eine breite Masse an Menschen aus allen Schichten anzusprechen. Mit dem Auftrag der Kulturvermittlung und großzügigen Öffnungszeiten stünde eine Zusammenstellung in einem beispielsweise staatlichen Museum unter beachtlicher medialer Kritik.

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Etwa 60 Personen haben sich anlässlich des zehnjährigen Jubiläums versammelt. Rednerin Cornelia Weber ist es wichtig, dass Studierende das Museum nutzen. Erschreckend sei es, dass manche Studierenden von der Uni abgingen, ohne über das Bestehen eines Universitätsmuseum zu wissen.

Ein Universitätsmuseum hingegen sei meist schon durch seine Zusammenstellung seitens einzelner Wissenschaftler nicht in erster Linie für die Öffentlichkeit geschaffen, sondern für ein akademisches Publikum, welches aus den Sammlungen wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen solle. Trotz dessen ist Köhne der Meinung, dass die Universitätsmuseen als „Botschafter von Wissenschaft und Forschung“ durchaus die Gesellschaft erreichen könnten.

Unter anderem betont Köhne wie wichtig es sei, dass die Studenten den enormen Wissensbestand eines universitären Museums nutzen.

Wer sich eine der vielen Sammlungen des MUT anschauen will, der findet unter folgendem Link genauere Informationen:

https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de

Fotos: Marko Knab.

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