Das Reich von Schnee und Fels

Im Urlaub sollte man am liebsten die Füße hochlegen und die Sonne genießen. Regeneration ist das Zauberwort, erholen vom Alltag. Doch was, wenn die Entspannung in der körperlichen Betätigung liegt und die Regeneration daraus folgend geistiger Natur ist? Dann ist eine Möglichkeit, die Wanderschuhe zu schnüren und in den Alpen Gipfel, Pässe und Täler zu beschreiten.

Schritt für Schritt geht es voran, langsam stapfend, und das Atmen fällt in der dünnen Luft schwer. Hinter dem weißen Schneefeld erhebt sich granitgrau der Gipfel gegen den Himmel. Die Sonne im Rücken ist der Blick immer auf das leuchtende Metallkreuz auf der Spitze fixiert, während die Sohlen den Firn knirschen lassen. Es wird steiler, zum Vorankommen müssen nun auch die Hände benutzt werden. Der Fels fühlt sich rau und kalt an, vom Wind und Wetter der unzähligen Jahre geformt. Laut krächzend gleiten drei Dohlen vorbei, doch dann plötzlich…

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Auf dem Weg zum Gipfel müssen in 3000 Metern Höhe auch Schneefelder gequert werden. Foto: Felix Müller.

…klingelt der Wecker ohrenbetäubend um sechs Uhr in der Früh. Der Bergsteigertraum verblasst, doch wird er bald Wirklichkeit werden. Nur vielleicht nicht ganz so theatralisch. Die Alpen laden ein, zu großen und kleinen Abenteuern. Für jeden Urlauber ist etwas dabei, denn von der Gipfeltour von Biwak zu Biwak bis hin zu Tagestouren mit einem kleinen Ferienhäuschen als Basislager ist nahezu alles möglich. Mit dem Auto geht es dieses Mal in das Herz der Schweiz ins Wallis, genauer gesagt in ein Ferienhaus im Lötschental, das sich von einem Gletscher aus zum Rhonetal hin öffnet.

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Das Matterhorn steht Porträt für die bekannte Toblerone-Schokolade.

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Wer sich zum ersten Mal in die Berge begibt, um dort zu wandern, sollte sich zunächst ausgiebig informieren. Die richtige Ausrüstung für das geplante Vorhaben, Kartenmaterial um im Gebirge den richtigen Weg zu finden und Kenntnis über das schnell wechselnde Wetter sind dabei unerlässlich, denn schon vielen unvorbereiteten Urlaubern wurde eine zu blauäugige Herangehensweise zum Verhängnis. Doch schenkt man dem allen Beachtung, eröffnet sich einem die beeindruckende und facettenreiche Bergwelt wie im Flug oder besser noch steten Schrittes.

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Vor der Wanderung immer die Wetterprognose überprüfen, damit man nicht von Wolken und Niederschlag überrascht wird. Foto: Felix Müller.

Vielfältige Flora und Fauna

Zu Beginn des Urlaubs sollten gemäßigte Wanderungen wie entlang des Lötschentaler Höhenwegs der Akklimatisierung dienen. Doch schon auf den grünen Bergwiesen und in stillen Lärchenwäldern kann man das zugleich raue und schöne Naturereignis erahnen. Die Wanderwege sind gesäumt von Hauswurz, der sich an Felsen festkrallt, Arnika und Enzian; und das Pfeifen der Murmeltiere begleitet jeden Schritt. Mit viel Glück und am richtigen Ort lassen sich auch Gämsen und Steinböcke bei Kletteraktionen beobachten, die man Huftieren normalerweise nicht zutrauen würde.

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Im Hochgebirge gibt es auch zahlreiche Schätze der Flora. Foto: Felix Müller.

Die Landschaft ist geprägt von Gletschern und Wetter, dem mit dem Rückgang des Eises alles ausgeliefert ist. Und natürlich dem Menschen, der Herr auf dem Grunde der Täler ist und auch die Sonnenseiten der Bergflanken mit seinen Alpen und Ferienhäusern erobert hat. Neben rustikalen Erzeugnissen wie Käse, Schinken und Rösti punktet die Region auch mit Schokolade und Wein von den Hängen im Rhonetal. Den Gipfel des Tourismus bilden Orte wie Zermatt, vollgestopft mit Hotels, Victorinox-Geschäften und Menschen, in denen Alphornkonzerte vor dem Bahnhof zum guten Ton gehören.

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Auch Stauseen prägen das Bild der Alpen – und sorgen für ausreichend Strom. Foto: Felix Müller.

Die Welt der Viertausender

Doch hält man sich ein wenig abseits, kann man das Bergpanorama in aller Ruhe genießen. Dafür reichen zum Glück oft schon einige hundert Schritte, wie zum Beispiel von der Bergstation der Gornergratbahn mit seinen Massen an Flip-Flops-tragenden Touris. Dann kann man den Blick schweifen lassen, vom Massiv des Monte Rosa bis hin zum weltberühmten „Tobleroneberg“, dem Matterhorn. Sollte man dann auch noch, je nach Verfassung, hoch hinauswollen, kann man teilweise sogar fast die ganze Schweiz überblicken. Für die Besteigung des 3293 Meter hohen Hockenhorns benötigt man zwar doch eine gewisse Kondition und sollte früh am Morgen aufbrechen, doch der Eintrag in das Gipfelbuch und der sich dort bietenden Ausblick entlohnt jegliche Anstrengung.

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Vom Gipfel des Hockenhorns kann man vom Matterhorn bis zu Jungfrau, Eiger und Mönch blicken. Foto: Felix Müller.

Eine Tasse Kaffee, ein wenig Gebäck und ein gutes Buch auf dem Balkon mit Blick auf den König des Lötschentals, das fast 4000 Meter hohe Bietschhorn, so lassen sich auch Regenerationstage aushalten. Man muss sich ja nicht an jedem Tag erschöpft ins Bett fallen lassen. Ebenso laden die historischen Ortschaften auf den ein oder anderen Spaziergang ein. In Raron lässt sich das Grab Rainer Maria Rilkes besichtigen, malerisch an der Seite einer Kirche an einer Felswand gelegen, und Leuk erinnert in seiner Lage und Architektur fast an ein norditalienisches Dorf.

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Das schöne Leuk hat mit der Stephanskirche hat auch gruseliges zu bieten: Eine Mumie und zwanzig Meter aufgestapelte Schädel. Foto: Felix Müller.

Anstrengend, so kann man einen Urlaub in den Schweizer Alpen getrost nennen. Allerdings sowohl anstrengend, als auch lohnend für Geist und Körper. So schwer die Beine auch sind, die Eindrücke der Tage in den Bergen wirken noch lange nach und, was auch nicht verkehrt ist, fühlt sich die Besteigung des Schlossbergs oder der Fußweg ins WHO gleich viel leichter an. Nur die mitgebrachte Schweizer Schokolade ist beim Schreiben an Hausarbeiten schneller wieder weg, als man gucken kann.

Titelbild: Felix Müller.

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