Vom Jazz-Groupie zum Punk-Genius

Too much Hitze und trotzdem war das Ribingurumu gestern Abend voll. Der Grund: Tobias Jundt, Kopf des Bandprojekts Bonaparte. Querfeldein lud ihn zur letzten Veranstaltung des Semesters ein – er kam, sprach und sang.

Bonaparte ist bekannt für seine Bühnenshows: Kunstblut, entblößte Brüste, Tiermasken – im Ribi ging’s jedoch ganz gesittet zu. Tobias Jundt nahm auf dem Sofa platz, die Gitarre in Reichweite mit dem Ziel, den Moderator so wenig wie möglich zu Wort kommen zu lassen. Sechs Jahre alt sei er gewesen, als der Schweizer seinen ersten Song schrieb. Heute tourt er mit Bonaparte und seinem aktuellen Nebenprojekt Mule & Man durch die Lande. Sein Musikstil bewegt sich zwischen Punk, Rock und Elektronik.

Doch der Weg dorthin verlief keinesfalls geradeaus. Als „fanatischstes Jazz-Groupie Europas“ belästigte er regelmäßig Jazz-Musiker in Paris; in der 9. Klasse bekam er ein Stipendium für ein Musik-College in den Vereinigten Staaten. Doch statt den vermeintlich erfolgsversprechenden Weg zu gehen, beendete er die Schule und ging auf Reisen. In Neuseeland putzte er Fritteusen, in Miami reparierte er Boote und in Einkaufszentren musste er Handys verkaufen. Doch bei dem Groupie und Tausendsassa rückte die künstlerische Seite in den Mittelpunkt. Er schrieb mehr eigene Songs und gründete 2006 schließlich das Bandkollektiv Bonaparte – denn eine Alternative zur Musik habe es für ihn nicht gegeben.

Saal
Gitarre statt Kunstblut – entspannter Abend im vollen Ribi.

Die ersten zwei Jahre sei Bonaparte eine offizielle Mitfahrzentrale gewesen. Performer, Musiker, Leute, die vom Straßenrand aufgesammelt wurden, standen mit ihm auf der Bühne. „Die Band war ein Lebensstil“, auf der Bühne und im echten Leben. Für Tobias war es die intensivste Zeit. Es sei so gut gewesen, dass sie nicht aufhören wollten. Dann kam das erste Album. Es klinge scheiße, die Single sei zu 200% ehrlich, es sei die coolste Platte, die Tobias je gemacht habe.

„Ich mag den Exzess, ich mag es an die Grenzen zu gehen“

Später wurden die Bühnenshows krasser, die neue Zusammensetzung habe im Leben abseits der Bühne jedoch einer Fotomontage geglichen. Es war weniger familiär, die Shows dafür professioneller. Auch die Maske auf der Bühne fiel: „Irgendwann wusste ich: Ich will nicht alt werden wie Kiss, nicht jeden Abend Schminke auflegen müssen“. Bonaparte soll nicht nur Show sein, hinter dem Sarkasmus und der Ironie stecke mehr. Die Musik solle beides: eine Message rüberbringen und dabei trotzdem unterhaltsam sein.

Spiel
Kein böses Wort – bei einem Spiel sollte Jundt die Platten anderer Künstler beurteilen.

Was steckt hinter der Maske?

Tobias sieht sich selbst nicht als Sänger, sondern Songwriter der Band. Die meiste Zeit verbringe er damit Ideen zu sammeln, Sounds zu basteln, zu produzieren und dies mit viel Bauchgefühl. „Ich bin nur am Mikro, weil es kein anderer tun will“. Songs schreibe er auch für andere Künstler, aber nicht unbedingt welche, die er mag.

„Mañana forever. Das sagt man als Student… wie viele Jahre lang?“

Tobias unterhielt das Tübinger Publikum mit Anekdoten und Live-Musik. Mit abwechselnd Gitarre oder Schnapsglas in der Hand brachte er die Leute im Raum zum Lachen und Mitsingen. Doch er regte auch zum Nachdenken an: Es sei ein langer Weg, um herauszufinden, wer man ist. Und bis dahin solle man so viele verschiedene Dinge tun und Erfahrungen wie möglich sammeln.„Man muss Dinge machen, die sinnlos erscheinen, denn irgendwann machen sie Sinn.“

Fotos: Julia Klaus

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