Kranke Kunstform

Mit der Vernissage „Krankheit als Kunst(form) – Moulagen der Medizin“ startet heute Abend eine besondere Ausstellung im Museum der Universität Tübingen (MUT). Bei einem exklusiven Pressetermin hatte die Kupferblau schon vor der Eröffnung die Chance, einen Blick auf die Exponate zu werfen.

Hinter Glas liegen Gesichter mit seltsamen Pocken und roten Flecken. Sie sehen täuschend echt aus mit ihren geschlossenen Augen, sind aber Moulagen, medizinische Wachsabdrücke von Krankheiten.

Die Idee, dass Krankheiten auch einen künstlerischen Wert haben, ist nicht ganz neu. Die Ausstellung von medizinischem Anschauungsmaterial mit der Darstellung von Krankheiten dürfte spätestens seit der Eröffnung der Wanderausstellung „Körperwelten“ vor zwanzig Jahren der Allgemeinheit bekannt geworden sein. Doch auch wenn diese teils umstrittene Veranstaltung die berühmteste Vertreterin ihrer Art sein dürfte, so war sie nicht die erste. Schon während des 18. Jahrhunderts fanden sich vor allem um Breslau erste fähige Künstler, die Wachsabdrücke von Kranken fertigten. Einerseits als Mittel der Lehre und Forschung, gleichzeitig jedoch auch als künstlerische Wiedergabe der Sterblichkeit.

Sogar einen Abdruck eines ganzen Kopfes befindet sich unter den Exponaten.
Sogar einen Abdruck eines ganzen Kopfes befindet sich unter den Exponaten.

Eine zum Anfassen

Diese Moulagen sind nun Kerngegenstand der neuen Sonderausstellung. In einer Kooperation des MUT mit der Universitäts-Hautklinik ist es dem Team unter der Leitung von Prof. Dr. Seidl gelungen, eine breite Auswahl an  Exponaten zusammen zu stellen. In zum Teil beeindruckender Detailliertheit können Besucher nun die Auswirkungen verschiedener, zum Teil tropischer Krankheiten aus nächster Nähe betrachten.

Ein Hautaugenmerk legt die Ausstellung dabei auf die Geschichte der Moulagen, besonders natürlich mit ihrem Bezug zur Universität Tübingen und den hiesigen Anwendungen. Außerdem wurde von den insgesamt 30 Studierenden, die in über einem Jahr an diesem Projekt mitgearbeitet haben, in einem Selbstversuch eine eigene Moulage hergestellt, die sich im Gegensatz zu den verschlossenen Exponaten auch anfassen und fühlen lässt. Zudem dokumentieren Bilder und auch ein Video den Herstellungsprozess nach einem originalen, alten Rezept aus den 1920ern.

Die täuschend echt aussehenden Moulagen zeigen die verschiedenen Krankheiten in eindringlicher Form.
Täuschend echt: Die Moulagen zeigen verschiedene Krankheiten in eindringlicher Form.

Eröffnung im MUT

Interessierten steht die Ausstellung ab dem 10. Juni bis zum 11. September täglich offen. Für Ungeduldige gibt es zudem heute Abend die Möglichkeit, zur Vernissage um 18 Uhr zu gehen, wo sich in halbstündigen Führungen auch Fragen an das Team beantworten lassen. Außerdem wurde im Rahmen der Vorbereitungen auch ein Katalog mit den über 200 Exponaten erstellt, der im Museums-Shop zu kaufen ist.

Fotos: Christopher Kübler
Video: MUT

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