Museen Tübingen: Boxenstop

Schätze sind gut versteckt, heißt es. Dann muss das Auto- und Spielzeugmuseum Boxenstop ein solcher sein – hinter der Universitätsbibliothek gelegen, erzählt es die Geschichte von Automobil und Spielzeug anhand zahlreicher Exponate.

Viele, auch aufgrund der studentischen Haushaltsverhältnisse alte Autos in der Brunnenstraße? Das kennt jeder aus dem dortigen Parkhaus. Aber es gibt noch einen weiteren Ort in jener Straße hinter der Universitätsbibliothek, auf den diese Eigenschaften zutreffen. Was im Parkhaus tendenziell eher negativ behaftet ist, wird im Auto- und Spielzeugmuseum Boxenstop ins positive Gegenteil verkehrt. Dort kann eine Reise in die Vergangenheit automobiler Kultur und zu Spielzeugen vergangener Generationen getätigt werden.

Sie empfiehlt sich allen, sowohl jüngeren als auch älteren Semestern. Ein erster Schritt in die heiligen Hallen lässt den Museumsbesucher in eine scheinbar vergangene Welt eintauchen – nur einer der Flachbildschirme, auf dessen Oberfläche Szenen lang vergangener Rennen flimmern, ist ein Fremder, ein Zeitreisender aus der Zeit des Digitalen in diesem Ensemble mechanischer Träume. Er gibt die Geschichte der unter ihm stehenden Wagen, einem Lotus und eines Lolas, wieder, deren aktive Karrieren bereits lange zurückliegen. Doch im Boxenstop haben diese beiden Renn-Rentner eine Bleibe gefunden und können in Würde altern.

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Zahlreiche glänzende Mechanik- und Technikträume auf engstem Raum.

Ein Museum wie ein Getriebe

Das 1985 gegründete und vom Ehepaar Klink betriebene Privatmuseum vereint auf kleiner Fläche und drei Etagen unzählige Exponate verschiedenster Herkunft und Epochen. Von Straßen- über Rennwagen, Motorräder, Puppen und Modellbahnen findet sich nahezu alles Erdenkliche, was im vergangenen Jahrhundert das Licht der Welt erblickt hat. Der erste Blick in die Ausstellungsräume täuscht – das scheinbare Chaos, dem die Anordnung der Exponate zu unterliegen scheint, stellt sich bei genauerer Betrachtung als wohldurchdachtes, und nicht zuletzt dem limitierten Platzangebot geschuldetes, System heraus.

Darin zeigt sich auch der ganz eigene Charakter des Museums. Wie ein Getriebe greifen die verschiedenen Ausstellungsstücke ineinander und erzeugen durch viele Details ein authentisches Gesamtbild der vergangenen Zeit. So vermag wahrscheinlich jeder Besucher an einem anderen Exponat eigene Erinnerungen anzuknüpfen oder sich von Eltern und Großeltern etwas dazu erzählen zu lassen. Es ist ein Museum, das zum Mitmachen und Verweilen einlädt.

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Fortbewegungsmittel für groß und klein im Boxenstop Museum

Mit Käthe cruisen

Während sich im Erdgeschoss des zweistöckigen Gebäudes vor allem Automobile und historische Modelleisenbahnen finden, wandelt sich das Bild in den folgenden Stockwerken. Sie verschwinden keineswegs aus dem Sichtfeld, aber dieses wird durch Motorräder und Puppen erweitert. Hatten bisher vor allem die von der Mechanik begeisterten Besucher Freuden am Ausgestellten, so dürfen sich im ersten Stock auch die an Puppen und weiterem Spielzeug Interessierten angesprochen fühlen.

In der Puppenecke können neben den bekannten Käthe-Kruse-Puppen auch Mecki und die Mainzelmännchen begutachtet werden. Das Stockwerk teilen sich die Puppen vor allem mit Autos und, nicht zu vergessen, bildschönen Motorrädern, die allesamt zum cruisen einladen. Im zweiten Stock eröffnet sich dem Besucher noch eine besondere Möglichkeit, die es so nicht häufig geben dürfte. Im hauseigenen Restaurant „Rastelli“ kann man sonn- und feiertags in Gedenken des leider viel zu früh verstorbenen Schweden Ronnie Peterson Kaffee und Kuchen genießen. Dieser ist in Gestalt seines 1970/71 in der Formel 1 gefahrenen March-Rennwagens anwesend.

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Auch die eigentlich in Mainz beheimateten Mainzelmännchen haben in Tübingen ein Zuhause gefunden.

Aus Versehen zum Museum

Zu Beginn des Museums, wie Betreiber Rainer Klink offenbart, war eigentlich kein besonderer Hintergedanke vorhanden. Sie seien damals noch zu dritt gewesen, erzählt er. Vom Hobby, das 1973 mit dem ersten Auto begonnen hatte, verselbstständigte sich die Sache im Laufe der Zeit immer mehr. „Selbst ein Visionär konnte das nicht absehen“ sagt er und lacht. Das Boxenstop, so führt er weiter aus, sei kein Museum, das einfach vor einem liege – man müsse es sich erarbeiten.
Es ist eben ein Museum zum Mitmachen und Anfassen: Nicht einfach und digital, sondern mechanisch und ausgeklügelt.

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Nicht nur Eisenbahnliebhaber lassen sich von den filigranen Modelleisenbahnen fesseln.

Das Boxenstop Museum befindet sich in der Brunnenstraße 18 hinter der Universitätsbibliothek. Es ist Mittwoch bis Freitag von 10-12 Uhr und 14-17 Uhr, sowie Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 10-17 Uhr geöffnet. Montag und Dienstag sind Ruhetage. Erwachsene zahlen 6,50€ Eintritt, Studierende und Schüler 5,50€ und Kinder unter 6 Jahren haben freien Eintritt. Weitere Infos über Eintrittspreise und Events sind auf der Internetseite des Boxenstop Museums zu finden.

Karte: https://goo.gl/maps/fLm7z3SbyfM2

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