Ich bin keine Prinzessin!

Querfeldein lädt im Ribingurumu immer wieder zu interessanten Gesprächen mit interessanten Persönlichkeiten ein. Dieses Mal hatte sich Sina Trinkwalder, Textilproduzentin, Autorin und Sozialunternehmerin nach Tübingen verirrt und bewies, dass ein geselliger Abend auch tiefgehende Gedanken schüren kann.

„Eigentlich ist Sozialunternehmerin ja ein Schimpfwort“, stellt Trinkwalder direkt zu Beginn der Veranstaltung fest. „Ich versuche einfach ethisch zu handeln. Unternehmer, die das nicht tun, sind einfach scheiß Unternehmer.“
Diese Einleitung setzte den Ton für den Abend. In einem trotz Regen voll besetzten Publikum gab Trinkwalder einen Einblick in ihr Leben und in das, was ihrer Meinung nach falsch mit der heutigen Wirtschaft läuft.

Steiler Aufstieg mit Gewissen

Mit fünfzehn bei ihren Eltern ausgezogen, verdiente sie als freie Journalistin und Kabarettistin ihren Lebensunterhalt. Nachdem sie die Schule mit einem soliden Abitur von 3,7 abgeschlossen und zweimal erfolgreich ihr Studium abgebrochen hatte, gründete sie im Alter von 19 Jahren ihr eigenes Werbeunternehmen. Bald hatte sie durch Entschlossenheit und Dreistigkeit, wie sie selbst beschrieb, einen Arsch voll Geld gemacht.

„Bei mir ist nicht der Kunde König, sondern sein Enkel.“

Sie beschloss aber, sich damit nicht zur Ruhe zu setzen, sondern reinvestierte in das Textilunternehmen Manomama. Ein riskanter Plan, denn nicht nur musste sie sich dazu selbst Nähen beibringen, sie stellte auch vornehmlich „Sozialkrüppel an, die ansonsten keine Chance auf dem Arbeitsmarkt hätten.“ Dass ihre Mühen nicht umsonst waren, beweisen ihre inzwischen über 150 Mitarbeiter und die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes für das erste textile Social Business in Deutschland.

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Immer wieder äußerte Sina Trinkwalder starke Sprüche über das Denken in der heutigen Gesellschaft und Wirtschaft.

Chefin auf Baumwollfeldern

Aber was ist über Sina Trinkwalder zu sagen, das nicht jeder auf ihrer Webseite nachlesen kann. Wahrscheinlich ist es die Art, wie sie über die heutige Wirtschaft spricht, die man persönlich erlebt haben muss. Sie klingt wie der Freund, der nach zwei Bier anfängt sich über den Hedonismus der Gesellschaft zu beklagen, den man aber ignoriert, weil er lieber sterben würde, als sich von seinen neuen Nikes zu trennen.

„Es war eine Ehre, mit den afrikanischen Bauern zu leben.“

Auch Trinkwalder trägt Nikes – diese sind allerdings bereits sechs Jahre alt und statt nur zu reden lässt sie ihren Worten Taten folgen. Sie ist beispielsweise eine von wenigen Textilunternehmerinnen, die tatsächlich noch in Deutschland produziert, statt Arbeitsplätze nach Asien outzusourcen. Selbst die Baumwollplantagen in Afrika, von denen sie ihre Rohstoffe bezieht, hat sie persönlich besucht und mehrere Tage mit den Einheimischen gelebt und gearbeitet.
„Am Ende des Tages hatte ich sechs Kilo Baumwolle gepflückt. Wer im Textilbereich arbeitet weiß, dass das nach Auslese und Sortieren gerade mal für ein T-Shirt reicht“, stellte sie fest.

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In typischer Ribi-Atmosphäre wurde den Gekommenen ein Beispiel gegeben, wie man ein Unternehmen auch angehen kann.

Rundumschlag gegen alle

Durch diese persönlichen Erfahrungen im internationalen Handeln gibt sie ihre eigene Einschätzung, was Globalisierung bedeutet. „Globalisierung nutzt nur den großen Konzernen und die Afrikanischen Bauern verhungern am ausgestreckten Arm.“
Trinkwalder beschönigt nicht und geht bei ihrem Plan zur Rettung der Gesellschaft nicht zimperlich vor. Von Fairtrade als „das Bonusmeilensystem einer kranken Wirtschaft“ geht es über Veganer, „die keine Ahnung haben was für einen Scheiß sie fressen“, bis hin zur Sinnlosigkeit von TTIP, „da die großen Konzerne sowieso bereits alle hintenrum bescheißen.“

„In unserer heutigen Marktgesellschaft lässt sich alles kaufen. Sogar Lebenszeit.“

Trinkwalder ist eine radikale Verfechterin des Sozialkapitalismus. Unternehmen wie TOMS: One for One, die für jedes paar gekaufter Schuhe eines an Afrika spenden, belächelt sie nur als Charity-Kolonialismus, durch dem niemand geholfen wäre, außer dem Gewissen der Kunden. Über die teilweise derbe Sprache hinweg, die im ganzen Raum immer wieder für ungläubiges Gelächter sorgte, gab sie dem Publikum aber auch etwas zu denken auf den Weg.

„Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, dann müssen wir gemeinsam Wirtschaft auf Augenhöhe betreiben, gerechte Löhne zahlen und keine Almosen verteilen.“

Zusätzliche Info:

Das Bundesverdienstkreuz wird komplett in Deutschland hergestellt. Die Plakette wird in Karlsruhe gegossen und die Schnur in Nagold gefertigt.

Fotos: Paul Mehnert

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