Voll gegen die Wand!

Treffen sich zwei Planeten im Weltall. Sagt der eine zum anderen: „Du siehst aber schlecht aus!“. Der andere:“ Ja, mir geht’s auch nicht gut, ich habe ‚homo sapiens'“. Sagt der erste: „Mach‘ dir nichts draus, das hatte ich auch mal, das geht vorbei!“

Mit diesem Witz leitete Nikos Andreadis den 13. Kontrapunkt unter dem Thema „Mit Vollgas gegen die Wand! Wer kann den Klimawandel noch aufhalten?“ im Zimmertheater Tübingen ein. Und wie die Zahl 13 als Unglückszahl gilt, hatte auch der Abend einen bedrückenden Charakter. Der Klimatologe Dr. Hans-Joachim Rosner von der Universität Tübingen zeigte eindrucksvoll, wie es der Menschheit innerhalb von weniger als 50 Jahren gelungen ist, sich selbst – ganz entsprechend dem Namen der Veranstaltung – gegen die Wand zu fahren. Dabei ging er nicht nur auf den Klimawandel ein, sondern erklärte auch, warum konkrete Lösungsansätze von Politik und Bevölkerung ignoriert werden.

„Ein Geologiesemester produziert bis zu 9 Tonnen an Schadstoffen allein an Fahrtkosten.“

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Durch Fortbewegung mit Verkehrsmitteln wird viel CO² freigesetzt. Doch nicht nur der Verkehr hat Einfluss auf das Klima.

Die richtige Dosis macht’s

Prinzipiell ist CO² in der Atmosphäre nicht schädlich, sondern hilft sogar Leben, wie wir es kennen, auf der Erde möglich zu machen. Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre reflektiert die Wärme der Erde wie in einem Treibhaus zurück. Ohne dieses Gas würde auf der Erde eine durchschnittliche Temperatur von -18°C herrschen.
Doch wie bei allem im Leben macht auch hier die Dosis das Gift. Mit steigenden CO²-Werten steigt auch die Temperatur, steigt der Meeresspiegel, steigt die Zahl der Naturkatastrophen. Und auch das Ländle leistet seinen Beitrag dazu. Um energieneutral zu leben, so Rosner, dürfe man nicht mehr als 2,7 Tonnen Schadstoffe im Jahr produzieren. Baden-Württemberger übersteigen diesen Wert beinahe um das fünffache. Im Vergleich zu dem durchschnittlichen Amerikaner mit über 20 Tonnen pro Kopf ist das zwar vergleichsweise wenig, aber immer noch genug, um den Klimawandel voranzutreiben.

Bereits jetzt sind die Folgen zu merken. Besonders südliche Kontinente wie Afrika, Südamerika, aber auch Australien haben immer häufiger mit Dürren oder Überschwemmungen zu kämpfen. Dass auf dem Weltklimagipfel Bundeskanzlerin Merkel eine Weltklimaerwärmung um 2°C als Erfolg verkaufen wollte, ist für Rosner ein noch größerer Witz, als der mit dem die Veranstaltung eingeleitet wurde.
„Dass die 2°C eingeplant sind, ist bereits erschreckend, aber es ist abzusehen, dass es damit nicht aufhören wird“, erklärte Rosner. „Dabei bräuchte es nur einige kleine Verhaltensänderungen, um unseren ökologischen Fußabdruck wesentlich zu verkleinern.“

Dr. Hans-Joachim Rosner und Nikos Andreadis vor Publikum

Braucht man Kairo denn überhaupt?

Ein einfacher Schritt wäre beispielsweise den Stromanbieter zu wechseln, mehr mit dem Fahrrad zu fahren, Kleidung länger zu tragen oder nicht jeden Tag Fleisch zu essen, da auch Kühe durch ihren Methanausstoß die Umwelt schädigen. Dass trotzdem keine Besserung in Sicht ist, obwohl diese Fakten bereits seit den 1980ern bekannt sind, begründet Rosner an einem einfachen Umstand.
Diejenigen, die betroffen sind, können nichts daran ändern und die, die etwas ändern können, sind nicht betroffen. Es war schließlich an Andreadis, die Frage des Teufelsadvokaten zu stellen:
„Wenn der Meeresspiegel steigt und einige Nationen untergehen, regelt sich das Problem dann nicht von alleine? Braucht man Staaten wie Kairo denn überhaupt?“

Das traurige daran war, dass Rosner ihm zwar aus Sicht des Humanisten widersprach, die Politik ihm dennoch recht gibt. Denn eben diese Politik des Nichtbetroffenseins wird momentan betrieben. Auch bei steigendem Meeresspiegel verfügen Weltmächte wie Deutschland oder die USA über genügend Ressourcen, um sich anzupassen. Zweite und Dritte Weltländer hingegen nicht.

Trotzdem gibt Rosner einen Lichtblick. Auch wenn auf der großen Bühne der Weltpolitik keine Wandel zu erwarten ist, lassen sich kommunal doch Veränderungen herbeiführen. So hat Tübingen beispielsweise seit drei Jahren einen Energiebeauftragten, der sich für eine verbesserte Versorgung der Stadt einsetzt.

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