„Die Nibelungen“ an der Uni

Alte mæren leben weiter…

Die Idee, aus dem Nibelungenlied ein Theaterstück zu formen, hatten Silke von Fürich und Myriam Bittner schon lange. Sie sind zusammen mit Marion Darilek und Isabell Väth verantwortlich für die Inszenierung. „Ausschlaggebend war unsere Begeisterung für den Nibelungenstoff und der Wunsch, diesen Stoff ganz im mediävistischen Sinne auf die Bühne zu bringen“, beantwortet Silke von Fürich die Frage nach der zündenden Idee. Im Rahmen eines fachwissenschaftlichen Seminars und theaterpädagogischen Workshops wurde das Stück dann in Zusammenarbeit mit den Seminarteilnehmern erarbeitet. „Vieles entwickelte sich dabei aus ihren Ideen und schauspielerischen Improvisationen“, sagt Marion Darilek.

„Die schauspielerischen Leistungen der Studierenden sind absolut beeindruckend und bei vielen war eine atemberaubende Entwicklung zu erkennen“, so Silke von Fürich.

Unterstützt wurde das Team unter anderem von Werner Jauch, der sein Wissen als Theaterpädagoge einbrachte. „Werner Jauch hat unzählige tolle Ideen zur szenischen Umsetzung eingebracht. Er war es auch, der den Kontakt zum LTT herstellte“, freut sich Silke von Fürich über die Hilfe. Sie denkt dabei auch an Prof. Dr. Annette Gerok-Reiter, die dem Projekt unter anderem bei organisatorischen Dingen behilflich war. Das LTT selbst half neben der Bühne auch bei der Licht- und Tontechnik aus. Das eigentliche Ziel, in einem studentischen Projekt die Möglichkeit mittelalterliche Texte Schülerinnen und Schülern näher zu bringen, wurde dadurch übertroffen. Laut Silke von Fürich sei der Erfolg des Projekts zu gleichen Teilen auf allen Schultern verteilt. „Es ging wirklich sehr weit über ein durchschnittliches Seminar hinaus.“

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Hagen und Gunther sind geschlagen, Kriemhild hat ihre Rache für die Ermordung Siegfrieds bekommen.

…und tote Sprache wird lebendig

Zurück zum Stück: Mit dem Schlusssatz Hildebrands erschallte dann im großen Saal des LLTs minutenlang Applaus. Den studentischen Schauspielern war die Erleichterung, aber auch die Freude anzusehen, als im Foyer noch angeregt mit ihnen geplaudert wurde. Dieser Anblick lässt das Resümee einfach werden: „Das Nibelungenlied“ war ein voller Erfolg, da sowohl das breitgefächerte Publikum aus Schülergruppen, Studierenden und Theaterliebhabern als auch die Darsteller und Entwickler des Stücks selbst begeistert waren. Das lässt auch über kleinere Mängel, wie eine etwas blecherne Lautsprecherstimme hinwegsehen.

„Auch sprachlich korrektes Improvisieren auf Mittelhochdeutsch bereitete kurz vor der Aufführung keinem mehr Probleme“, sagt Marion Darilek

Mediävistik-Professorin Anna Mühlherr ist von der Verlebendigung der mittelhochdeutschen Dichtung begeistert: „Es ist wirklich sehr schön, so viele Leute von solchem Format auf der Bühne zu erleben, die die mittelhochdeutsche Dichtersprache performen, als hätten sie das schon immer getan.“ Auch die Schauspieler sind vom Ergebnis positiv überrascht, da einige nur wenig Bühnenerfahrung hatten und sie erst für die Generalprobe auf die Bühne konnten. „Wir hatten erst ab da Licht, Sound und Nebel und haben davor in einem Raum im Brechtbau geprobt. Von daher fand ich das eine beachtliche Leistung“, meint Siegfried-Darsteller Ulrich Stober nach der Vorführung. Was bleibt da weiteres zu sagen, als das Epos mit seinen ureigenen Worten selbst schließen zu lassen: „hie hât daz mære ein ende: daz ist der Nibelunge liet.“

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Die gewitzte Werbung für das Stück. Dass Kriemhild mehr oder weniger schädlich für Siegfried und Co. ist, sollte jedem Besucher des Stücks klar geworden sein. Weitere Kostprobe? „Hagen kann tödlich sein.“ (Idee: Myriam Bittner, Umsetzung: Marion Darilek).

Anmerkungen:

Die Premiere des Stücks war leider auch seine Dernière. Allerdings wurde die Aufführung aufgezeichnet und wird, sobald das Material bearbeitet wurde, zur Verfügung gestellt.

Fotos: Maximilian David Böhm, auch zu finden unter frumble.de und auf facebook: Maximiliane Bööhm.

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