Schwäbisch für “Reigschmeggde”

Typisch schwäbisch?

Ob beim Bäcker, Metzger oder im Restaurant: Spätzle, Weckle oder bissle sind oft gehörte schwäbische Vokabeln, denn Verniedlichungen sind typisch. Der Butter, das Teller und der Socke – Bei anderen Wörtern wird im Schwäbischen das Geschlecht vertauscht. Weiterhin typisch und für manch einen gruselig sind Relativsätze, die mit „wo“ beginnen:

Der Apfel, wo vom Baum gefallen ist.

Weitere Stilblüten des Schwäbischen sind Wörter wie woisch statt weißt oder Cannschdadd für den Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt. Auf dieser lautlichen Ebene gibt es viele Variationen, weil die Wörter je nach Region anders ausgesprochen werden. Für Bühler spannend und für Reigschmeggde schwierig ist die lexikalischen Ebene. “Wie man eine Sache nennt, ob man zu einer Kartoffel Grombiere oder Äbbiere sagt, ist stark von der Region abhängig”, sagt der Dialektforscher.

Schwäbisch schwätza – das macht auch vor neudeutschen Wörtern nicht Halt.
Schwäbisch schwätza macht auch vor neudeutschen Wörtern nicht Halt.

Tübingens Stadtdialekt

In Tübingen selbst spreche man laut Bühler einen eigenen Stadt-Dialekt. „Es gibt dabei teilweise noch immer Unterschiede zwischen der Ober- und der Unterstadt“, sagt er. „Die sozial höher gestellte Bevölkerung lebte in der Oberstadt und sprach näher am Standarddeutschen als die ärmeren Bürger aus der Unterstadt.“ Doch der Grad des Dialekts hänge heutzutage nicht mit der sozialen Stellung zusammen. „Bei unseren Interviews haben wir die Leute Zuhause besucht und ich habe dabei gemerkt, dass sie unabhängig von ihrer Wohnsituation Dialekt sprechen – oder auch nicht“, so der Forscher.

„Reigschmeggde“ und Dialekt-Freunde können sich in Sachen Schwäbisch sogar gezielt weiterbilden: In Tübingen werden Sprachkurse angeboten. Im Internet existieren außerdem Wörterbücher, oft mit Audio-Dateien zum Anhören. Und Bühler und seine Kollegen arbeiten derzeit daran, mehr als 2 000 Mundart-Aufnahmen aus dem Tübinger Arno-Ruoff-Archiv zu übersetzen und ins Netz zu stellen. Ob diese Angebote zum Schwäbisch Schwätza führen, sei dahingestellt. Doch zumindest kann man lernen oder nachlesen, was Schwaben manchmal meinen könnten.

Und für Neugierige:

Schimpfen: Die Jungen und das Eibreddle.

Der, die, was? Schwäbische Artikel.

Spätzle-Exkurs: Was ist nur ein Schbäddzlesschebfr?

Danke an Schwäbisch-Sprecherin Aurora Balistreri, 22.

In dieser Reihen bereits erschienen: Wie die Uni an den Neckar kam.
Es folgen: Die Uni und die Bio-Branche sowie eine Glosse zur Kehrwoche.

 

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