Intimer Singer/Songwriter-Abend im Willi

Die Tübinger Musiker Jan Horst und exBird gestalten am Donnerstag den 12.03. das erste Konzert im stimmungsvoll eingerichteten Willi. Ein Abend zwischen unterhaltsamem Pop und melancholischen Songs. Was ehemalige Kwick-Accounts damit zu tun haben, erfahrt ihr hier.

Lieder über Vera

„Das ist mein erster Gig heute“, mit diesen Worten und dem Geständnis, eigentlich mehr reden zu wollen als zu singen, beginnt Jan Horst den Abend. Und tatsächlich, wenn man ihm zuhört, merkt man, dass der 25-Jährige eigentlich eher aus dem Autorenbereich kommt und seine Songs vor allem auf Text und Inhalt aufbauen. So wird aus dem Outcast-Song „Hey Yah!“ ganz einfach mal „Vera“, die Ode an die verflossene Liebe, die sich vom damals 14-jährigen Singer/Songwriter getrennt hatte. Auf Prosieben habe er sie dann wieder gesehen, gesteht Jan Horst, als Freundin von Stefano Zarrella, dem Bruder des ehemaligen Bro’sis Sängers. Unter ihrem Gesicht tauchte dann ein Schriftzug auf, mit den Worten die ihm das Herz gebrochen haben, „Vera – Stefano ist ihre erste große Liebe“. Und das nimmt man ihm auch ab.

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Jan Horst schmunzelt stets beim Erzählen seiner Geschichten

Mit akustischer Gitarre begleitet, erklärt Jan Horst dass alle seine Songs eigentlich von Frauen handeln – und zwar von unterschiedlichen. Es sind Geschichten vom Scheitern, und unerwiderter Liebe, aber auch von Freundschaft, die bleibt. Die meisten Songs sind witzig-unterhaltsam, aber auch zwei nachdenklich-ernste schleichen sich in das Set. Mit dem Cover des Fettes Brot Klassikers „Jein“ beendet Jan Horst das Programm und weißt noch scherzhaft auf seine gerade gegründete Facebook-Seite hin, die seinen Kwick-Namen aus alten Zeiten nachempfunden sei – „Che Guitarra“. Kurze Zeit später gibt es diese Seite tatsächlich, einer der Besucher hatte sie kurzerhand während des Konzerts gebastelt.

exBird bietet intime Einblicke in seine Welt

Der Übergang gestaltet sich nun zunächst schwierig, hatte Jan Horst eher auf lockere Unterhaltung gesetzt, beginnt das Set von exBird sofort mit tiefen, nachdenklichen, stückweise abgründigen Sounds. Mit einem Alien-artigen Effekt auf der Stimme richtet sich Dominik Feth alias exBird an das Publikum und beschwört es auf Englisch dazu, sich gemeinsam seinen Dämonen zu stellen. Noch wirkt das Publikum etwas zögerlich und irritiert, doch nach und nach gelingt es dem Mann mit der Gitarre und der rauen Stimme das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Wer sich darauf einlässt diese Reise mitzumachen wird nicht enttäuscht.

exBirds Songs sind düster, zuweilen fast trostlos und anklagend, aber gewähren dem Zuhörer einen intimen Einblick in die Seelenwelt eines verstoßenen, eines enttäuschten, trauernden Wolfes. Auch seine Songs seien fast alle für eine Frau geschrieben worden, erzählt Dominik Feth, allerdings nur für eine spezielle. Dass es mit dieser Speziellen wohl nicht geklappt hat, lässt sich leicht aus den Songs herauslesen, und so schreit exBird seinen Schmerz aus der Brust, bis ihm fast die Halsschlagader platzt.

exBirds pulsierende Halsschlagader
exBird ist wie immer äußerst vertieft in sein Spiel

Die Intensität der Songs weiß der sichtlich glückliche Sänger immer wieder aufzulockern, mit unterhaltsamen Anekdoten über Bad Urach oder Rentner. Auch seinen Kwick-Namen möchte er dem Publikum anvertrauen und erntet mit „Dom Cruise“ einige Lacher. Am Ende wollen die Zuhörer des randvollen Willis noch mal eine Zugabe hören, und die verwährt exBird ihnen nicht – zu glücklich ist er über die Zuhörerschaft, die sich bereitwillig in die Sphären seiner Musik begibt. Punkt 22Uhr ist Schluss, und die Beiden Musiker verneigen sich nochmals strahlend vor der wunderschönen Kulisse.

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Die versammelte Zuhörerschaft

Musik zwischen Vintage Sessel und Waldtapete

Was bleibt ist der Eindruck eines insgesamt sehr gelungenen Abends, für den die obere Etage des Willis in der Wilhelmstraße prädestiniert ist. Vintage Sessel und Waldtapete werden von Designerlampen in ein zartes Licht gehüllt, welches die perfekte Kulisse für diese Art gemütliches Konzert liefert. Auch Veranstalter Stefan Hieltscher ist begeistert, er hatte nicht mal annähernd mit so viel Publikum gerechnet, und garantiert, dass das nicht das letzte Mal gewesen sei. Das kann man nur hoffen.

ExBird zum Hören: https://soundcloud.com/exbird
ExBird zum Sehen: https://www.facebook.com/exbirdmusic

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