Ekel beim Party-Machen

Die Toiletten des Kuckucks im Studierendenwohnheim Waldhäuser Ost sind in einem katastrophalen Zustand. Für einige sind sie ein Grund, den Club trotz seiner billigen Preise zu meiden. Doch tatsächlich sind sie nur das Symptom eines größeren Problems.

Rechts und links von der Treppe im Gemeinschaftszentrum Fichtenweg fünf befinden sich die Toiletten. Auf dem schmutzigen Fließenboden sind mehre Pfützen. Die Pissoirs haben gelbliche Ablagerungen und sind teilweise gesprungen. Eines hat sogar ein Loch mit etwa drei Zentimetern Durchmesser. Die Toiletten sind selten benutzbar, weil oft Klopapier fehlt. Dreck und Überreste kleben überall. Die Decke wirkt schimmlig; es sind Kabel zu sehen. Bei den Waschbecken gibt es keine Seife und keine Möglichkeit, seine Hände abzutrocknen.

Foto: Privat
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Der Dorfrat ist wütend

Nicht nur der katastrophale Zustand der Toiletten des Kuckucks verärgert den Dorfrat. Auch die Fassade des Ratsbüros ist sanierungsbedürftig. Der Dorfrat vertritt die Bewohner des größten Wohnheimkomplexes in Tübingen, in dem etwa 1700 Studierende wohnen. Jede WG entsendet einen Abgesandten in den Rat. Er ist eine Art studentisches Verwaltungsgremium und fungiert als Schnittstelle zwischen den Bewohnern und dem Studierendenwerk. Zumindest sei das mal so gewesen. Das Gelände des Wohnheims steht unter Verwaltung des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim.
Die Vertreter des Dorfrats möchten nicht namentlich genannt werden, aus Angst vor Schwierigkeiten. Wohnheim-Mietverträge bieten keinen hohen Kündigungsschutz.

Ist der Einfluss der Studierenden gefährdet?

Die Mängelliste ist lang. Die heruntergekommenen Sanitäranlagen sind nur ein plakatives Beispiel.
Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war der Streit um den Einbau der gesetzlich vorgeschriebenen Rauchmelder. Der Dorfrat kritisierte das Vorgehen des Studierendenwerks und fühlte sich im Laufe des Streits ungerecht behandelt. Konkret wirft der Dorfrat dem Studierendenwerk vor, gesetzliche Fristen nicht korrekt eingehalten zu haben. Das Studierendenwerk hält sein Vorgehen dagegen für rechtmäßig. Der Streit um die Rauchmelder bietet nun den Anlass, die Situation im Wohnheimanlage näher zu beleuchten.

Zusammengefasst geht es um den Einfluss der Studierenden auf das Leben im Wohnkomplex Waldhäuser-Ost.
40 Jahre lang sei der Dorfrat ungefähr gleichberechtigt mit dem Studierendenwerk gewesen. Mal mehr, mal weniger. Da die meisten Mitglieder nur etwa fünf Jahre lang aktiv sind, wechseln die Mitglieder des Dorfrats ständig. Schon seit Jahren komme es zu Diskussionen, weil die Wohnheimmieten nicht transparent gemacht werden. Außerdem werde in das WHO kaum investiert, obwohl das Studierendenwerk Gewinne mache, schimpfen die Dorfratsvertreter.

Toilettenumbau allein rentiert sich nicht

Was die Toiletten des Kuckucks, den schmucklosen Eingangsbereich und den großen Saal im Fichtenweg fünf angeht, habe der Dorfrat dem Studierendenwerk ein Konzept vorgelegt, das mehr oder weniger ignoriert wurde. “Die Begründung des Studierendenwerks für den Nichtumbau der Toiletten war: Das rentiert sich nicht”, sagt der Dorfrat. Das Studierendenwerk wiegelt ab: Sanitäranlagen, Saal, Clubhaus-Konzept könnten nicht getrennt voneinander betrachtet werden und seien Teil eines Gesamtkonzepts. “Eine solche Gebäudeertüchtigung (Gebäudesanierung – Anmerk. d. Red.) muss ganzheitlich gesehen sowie langfristig und nachhaltig umgesetzt werden”, schreibt das Studierendenwerk.

Weiter heißt es: “Daher ist es ist beispielsweise nicht zielführend, zum jetzigen Zeitpunkt nur die Sanitäranlagen zu sanieren, da derzeit noch nicht klar ist, in welcher Größenordnung und Form Sanitäranlagen bei einer zukünftigen Nutzung des Gebäudes „Fichtenweg 5“ gebraucht werden.” Selbstverständlich werde man auch die Wünsche der Studierenden in die Planung einfließen lassen und das Konzept des Dorfrats berücksichtigen. Die Besucher des Kuckucks müssen sich demzufolge noch eine Weile damit abfinden, dass der Toilettengang zur Überwindung wird. Gerüchten zufolge weigert sich die Putzfirma schon seit Längerem, die Toiletten aufgrund ihres Zustandes zu putzen.

Ein weiteres Anzeichen dafür, wie langsam die Mühlen im Studierendenwerk scheinbar mahlen, ist die hyigenische Situation in den Wohnheimen. Der Dorfrat bemängelt, dass die momentan eingesetzte Putzfirma ihren Job nicht gut mache. “Schon vor Jahren wollte das Studierendenwerk den Job neu ausschreiben. Bisher hat sich noch nicht viel getan”, sagt der Dorfrat. Das StuWe schreibt hierzu: “Ein Vertrag mit einer Beratungsfirma wurde bereits abgeschlossen. Derzeit ist diese Firma beauftragt, eine öffentliche Ausschreibung für Reinigungsarbeiten in allen Einrichtungen des Studierendenwerks vorzubereiten.” Als Anstalt des Öffentlichen Rechts ist das StuWe dazu verpflichtet.

Entwicklungen wurden verschlafen oder tatenlos hingenommen

Fraglich ist, wie es überhaupt soweit kommen konnte. Die Toiletten des Kuckucks sind ja seit einiger Zeit in einem baufälligen Zustand. Darüber hinaus wurden auch die gesetzlichen Brandschutzbestimmungen nicht auf einen Schlag geändert. Der Brandschutz wurde schrittweise erhöht. Es fanden langwierige Gesetzgebungsprozesse statt. Von den Diskursen in den Medien einmal abgesehen.

Dies legt die Vermutung nahe, dass diese Entwicklungen einfach verschlafen oder sogar tatenlos hingenommen wurden. Im Endeffekt wurde Gemeinschaftszentrum auf Kosten der momentanen Studierendengeneration heruntergewirtschaftet. Partys müssen nun mit einem viel größeren organisatorischen und finanziellen Aufwand in der Mensa Morgenstelle veranstaltet werden. Und die Bezeichnung Gemeinschaftszentrum wirkt mittlerweile wie ein Euphemismus.

Werden die Notunterkünfte abgeschafft?

Der Dorfrat bemängelt im Gespräch, dass nicht genug Werbung für die Notunterkünfte gemacht wurde. Laut seiner Aussage seien sogar selbstgemachte Info-Plakate vom Studierendenwerk entfernt worden. Die Vertreter des Dorfrats vermuten dahinter ein Kalkül: “Wenn dieses Jahr wenige in die Notquartiere kommen, müssen sie nächstes Jahr nicht mehr angeboten werden.” Auch sei man dieses Jahr überhaupt nicht in ihre Gestaltung involviert worden.

Das Studierendenwerk entgegnet: “Nach einem Vergleich der Erfahrungen aus den vergangenen Jahren bei uns im Studierendenwerk mit den Konzepten von Notunterkünften in anderen Studierendenwerken haben wir uns entschlossen, die Notunterkünfte in diesem Wintersemester wieder wie bisher selbst zu betreuen.” Es sei generell eine Entspannung im Wohnungsmarkt zu erkennen gewesen, außerdem habe man sehr wohl in den Medien und bei den Wohnraumvermittlungen geworben. “Dies wurde nicht anders als in den letzten Jahren gehandhabt.” Auch der Zeitraum sei aufgrund von Erfahrungen aus vergangenen Jahren verringert worden.
Im letzten Jahr seien siebzehn Studierende in den Notunterkünften gewesen; in diesem Jahr neun.

Wie es weitergeht

Was die Dialogbereitschaft angeht, senden beide Parteien nach unserer Anfrage wieder positive Signale: “Wir haben Hoffnung, dass es sich vielleicht bald bessert”, sagt der Dorfrat. So sei das Gemeinschaftszentrums-Projekt tatsächlich ins Laufen gekommen. Das Studierendenwerk versichert ebenfalls: “Vorab möchten wir betonen, dass dem Studierendenwerk selbstverständlich an einer Kooperation mit dem WHO-Dorfrat gelegen ist. In der Vergangenheit hat man schon vielfach gut miteinander zusammengearbeitet und wir möchten natürlich, dass sich eine konstruktive Zusammenarbeit auch in Zukunft fortsetzt.”

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