Promis auf dem Holzmarkt

Der Verein Querfeldein ist vielen Studierenden bereits ein Begriff. Regelmäßig lädt er Prominente aus Kultur und Gesellschaft ins „Ribi“ ein. Die Abende finden in lockerer Atmosphäre statt und sprechen damit vor allem junge Menschen an. Doch wer und was ist Querfeldein? Ein Blick hinter die Kulissen.

Draußen auf dem Bürgersteig drängen sich Menschen vor dem Eingang. Der Raum drinnen ist bereits gut gefüllt und jetzt heißt es, dass keine Zuschauer mehr eingelassen werden.
Wenn Querfeldein zum „Talk“ einlädt, ist die Hütte meistens voll. Der studentische Kulturverein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Themen aus staubigen Buchvorstellungen und muffigen Hörsälen zu holen und sie einem jungen Publikum zu präsentieren, ohne dafür Eintritt zu verlangen. Das Konzept geht auf. Bekannte Größen wie Nah-Ost-Experte Jörg Armbruster, Musiker Mc Fitti und Fernsehchefin Katja Hofem zählen zu den ehemaligen Gästen von Querfeldein. Die Gäste vertreten eine große Bandbreite von Interessen. Im Ribingurumu, kurz „Ribi“, fanden in Wohnzimmeratmosphäre bislang elf Veranstaltungen statt.

Lücke in der Kulturszene

„Die Idee für Querfeldein entstand aus dem Gefühl heraus, dass in Tübingen eine kulturelle Lücke klafft“, erzählt Max Scherer, einer der Gründer: „Zwischen den Lesungen vom Buchladen Osiander und den Veranstaltungen des Studium Generales hat ein Programm für ein junges Publikum gefehlt.“
Die zündende Idee hatten er und sein damaliger Mitbewohner Kevin Tiedgen im Juni 2013. Die beiden luden spontan Frank Stauss ein, der unter anderem Wahlkampfberater von Ex-Kanzler Gerhard Schröder war. Die Veranstaltung fand damals noch im „Löwen“ statt und kostete Eintritt, war aber gut besucht. Das spornte sie zum Weitermachen an. Vier Monate und zahlreiche bürokratische Hürden später gründete sich der Verein, der sich dem Namen nach verschiedensten Themenfeldern widmet.

Besprechung bei Querfeldein
Derzeit zählt Querfeldein etwa vierzig Mitglieder. Davon aktiv beteiligt sind rund fünfzehn. Auch Tiedgen, der mittlerweile in Köln wohnt, arbeitet weiterhin mit. „Wir sind ein Mitmach-Verein und immer offen für neue Leute“, sagt Scherer.

Facebook-Anfragen funktionieren

Von der Gästeauswahl bis hin zum Auftritt gibt es viel zu organisieren. Jeden Montag findet ein Mitgliedertreffen statt, auf der Anstehendes besprochen wird. Welche Personen als Gäste in Frage kommen, wird am Anfang des Semesters offen diskutiert. Auch Nichtmitglieder können dazu Vorschläge einreichen. Sowohl die Persönlichkeit des Gastes als auch der Preis müssen dabei stimmen. Weil die meisten eine Gage verlangen, ist Querfeldein auf Sponsoren angewiesen. Laut Scherer kamen die bisherigen Gäste dem studentischen Verein preislich jedoch entgegen. „Viele sagen, dass sie die Idee und das Konzept interessant finden. Außerdem sind manche gern wieder unter Studenten“, ergänzt Max Clar, der für die Pressearbeit bei Querfeldein zuständig ist.
Ist ein Gast gefunden, geht es an das Booking. Anfragen werden teilweise auch über Facebook oder Twitter verschickt, was öfter funktioniert, als man glauben mag. Wenn ein Wunschkandidat zugesagt hat, wird das Konzept für den Abend erarbeitet. „Jeder Gast ist anders und wir müssen thematisch und menschlich immer individuell auf ihn eingehen“, erklärt Scherer. „Wir sehen den Verein dabei als Spielwiese, um Neues auszuprobieren.“
Bevor der offizielle Teil des Abends beginnt, beschnuppern sich die Querfeldein-Moderation und der Gast zunächst bei einem Essen. Manches Mal folgt auf das Kennenlernen eine kurze Stadtführung durch Tübingen. Der Auftritt im „Ribi“ selbst wird gefilmt und kann online nachgeschaut werden.

Vom Ländle ins Land

Querfeldein sieht sich als offenes Lern-Projekt: „Bei uns kann man Erfahrungen sammeln, sowohl was die Moderation anbelangt als auch im Bereich des Bookings, der Eventplanung oder der Technik. Auch konzeptionell bleiben wir offen, so lange es eine kostenlose Abendveranstaltung bleibt“, so Clar.
Der Verein hat bereits Nachahmer in anderen Städten gefunden. In Heidelberg, Leipzig und Stuttgart haben sich Ableger gefunden. Die Tübinger scheinen auf eine Lücke gestoßen zu sein, die nicht nur im Ländle existent war.
Im lokalen Kulturprogramm ist der studentische Verein mittlerweile eine feste Größe. „Mich freut besonders, dass sich eine Art Stammpublikum von Querfeldein gebildet hat, das kommt, auch wenn es den Gast nicht kennt“, meint Clar.
Wer im kommenden Jahr ins Ribi eingeladen wird, ist teilweise noch in der Verhandlungsphase. Scherer setzt dabei auf Abwechslung: „Wir wollen innovativ sein und spannende Gäste einladen, mit denen wir Dinge ausprobieren.“ Man darf gespannt sein, wen die Studierenden nach Tübingen locken können. Daran, dass man immer mehr Promis bei einer privaten Stadtführung auf dem Holzmarkt trifft, sollte man sich vielleicht gewöhnen.

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