Die Venus aus dem Eis

Im Rahmen der Tübinger Kulturnacht las Professor Jürgen Wertheimer aus seinem Buch „Die Venus aus dem Eis – wie vor 40 000 Jahren unsere Kultur entstand“ auf Schloss Hohentübingen.

Hinter jedem Kulturgegenstand verbirgt sich die Geschichte eines Individuums. Im Jahre 2008 wurde die 40 000 Jahre alte Venus aus dem Eis in der Karsthöhle Hohler Fels bei Ulm gefunden. Jürgen Wertheimer, Professor für Komparatistik an der Universität Tübingen, und der Archäologe Nicholas Conard wollten den Individuen hinter dieser Venus-Figur eine Geschichte geben.

Sie schrieben die Geschichte der Urzeitmenschen, die uns immer so klischeehaft präsentiert werden, als die Geschichten von Individuen und sind dabei den Anfängen der Kultur auf der Spur. Herausgekommen ist ein Werk, das sich zwischen Wissenschaft und Fiktion bewegt. Es könnte so gewesen sein; es muss aber nicht – das ist die Devise des Buches. Die Erzählung, die wohl hauptsächlich aus der Feder von Professor Wertheimer stammt, beruht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, die von Conard beigesteuert wurden.

Der Musiker, der Machtmensch und die Venus

Professor Wertheimer liest Teile seiner Lieblingsstellen vor. Er erzählt von einem Flötenbauer, der versucht Tiergeräusche nachzuahmen und dabei die Musik entdeckt, von einem Menschen, der beim Hören des Flötenspiels ein Gefühl verspürt, das man heute Macht nennen würde, das Gefühl nach mehr, und die Geschichte einer jungen Schönheit, die direkt von der Venus inspiriert ist.

Kritik an Sarrazin auf etwas andere Art

Zwischendurch räumt Wertheimer mit Vorurteilen auf: „Ich hasse diese BBC-Dokus, bei denen die Neandertaler nur komische Geräusche machen.“ Er insistiert darauf, dass auch die Neandertaler schon eine ausgefeilte Sprache besaßen. Seine These ist, dass die größten kulturellen Schätze auf die Tatsache zurückzuführen seien, dass Menschen auf andere gestoßen seien. Die Botschaft der Lesung ist also auch, dass die Menschheit vom kulturellen Austausch profitiert. „Die Venus aus dem Eis“ sei zufällig auch ein Anti-Sarrazin-Buch geworden, sagt Wertheimer schmunzelnd. Leider ist die Lesung schnell vorüber, man hätte gerne noch etwas länger zugehört.

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