Die Stagejumpers kommen!

„Grundsätzlich kann es jeder, doch du musst dich darauf einlassen!“ Nach ihrem letzten Theaterprojekt „Das Syndikat verzockt die Zeit“ ist es wieder soweit. Im Oktober heißt es wieder: „Bühne frei zum Ausprobieren und Erkunden“ für die Stagejumpers.

„Ein Theaterstück ist wie Farbenmischen – zuerst kommt die Lehre danach die Entfaltung“

Wer steckt eigentlich hinter dem Stagejumpers-Projekt? Sigrun Kubin und Julian Knab, die beide im Jahr 2002 nach mehreren Reisen ins Ausland zur Theaterfortbildung wieder nach Tübingen kamen und „wieder was machen wollten“. Damit war die Grundidee für die Stagejumpers gelegt.

Im kommenden Oktober starten die Stagejumpers mit einem weiteren 14 monatigen Theaterprojekt. Von der Ideenfindung über die Ausstilisierung bis hin zur Aufführung wird alles in drei große Phasen unterteilt.

Wie das Ganze aussehen wird und was wir uns darunter vorstellen können, erklären uns Sigrun Kubin und Julian Knab im Interview:

Was ist euer Anspruch für das Stagejumpers-Projekt?

Julian Knab: Es ist nicht eine zufällige Aktivität der Freizeitgestaltung oder ein Hobby, sondern es soll schon sein, dass die Teilnehmer eine Schule durchlaufen. Dies bedeutet Aufbautraining, Basisarbeit und Stimmtraining, um auf der Bühne ein Produkt abzuliefern, dem man nicht unbedingt das Laienhafte ansieht.

Auch wird es wahrscheinlich ein oder mehrere Wochenenden in Frankreich/ Vogesen geben. Wir wollen, dass die Leute aus sich herauskommen! Im Alltag sind gewisse Barrieren vorhanden und dort brechen diese Seile ab. Im Ausland sind die Darsteller in der Arbeit konzentrierter und freier als zu Hause im festen Alltag.

Sigrun Kubin: 14 Monate lassen den Teilnehmern viel Raum für die eigene Entwicklung. Es geht nicht plötzlich und schnell, manches muss auf verschiedene Art erprobt werden. Nach 14 Monaten sind die Leute nicht mehr dieselben und haben sich in ihren Fähigkeiten verändert. Uns geht es nicht darum, ein oberflächliches Produkt zu machen, sondern die Menschen sollen sich damit identifizieren können. Nicht nur ein Teil sein, sondern es ausfüllen.

Worauf kommt es beim Theaterspielen überhaupt an?

Julian Knab: In einer Textvorlage können nicht viele Erläuterungen gemacht werden. Ein Satz im Theater muss eine Welt eröffnen. Jeder Satz zu viel tendiert zu Langeweile. Wie sage ich mit ganz wenigen Worten eine Sache, sodass die Fantasie in Gang gesetzt wird. Das Beste ist, wenn Dinge nur angestoßen werden, die Zuschauer von selbst mitgerissen werden in die Welt der Fantasie.

Das Theater hat eine bildhafte Sprache. Das beste Theater ist, wenn nach ein oder zwei Wochen noch Erinnerungen an das Theaterstück haften bleiben. Von all dem, was ich seit 35 Jahren an Theater gesehen habe und was davon noch hängen geblieben ist, muss ich sagen, sind es nur ganz wenige Bilder.

Das heutige Theater ist nicht nachhaltig – es ist zum Event verkommen – eigentlich wie wenn ich einen Fernseher einschalte, jedoch keinen Anspruch auf Verwandlung (Denkanstöße) habe.

Es fehlt die Tiefgründigkeit. Das Theater ist zu einem Supermarkt geworden – Kulturkonsum, der reingezogen wird, jedoch kaum mehr Tiefgründigkeit aufweist oder zu Gefühlen bewegt.

Wie seid ihr auf die Idee der Stagejumpers gekommen?

Julian Knab:  In Deutschland ist es so, wenn du nicht gerade auf die Schauspielschule gehst, hast du die Möglichkeit ein Schauspielwochenende zu besuchen! Letztendlich sind das immer Impulswochenenden. Du kannst danach nicht auf die Bühne springen und sagen:“ Ich bin Schauspieler“.

Vor allem fehlt dabei die Kontinuität – wir wollen auf längere Zeit hinaus arbeiten – als Ensemble.

Das Stagejumpers-Projekt hat das genau zum Ziel! Was wir lieben, sind Ensemblearbeiten – wir wollen Ensembleproduktionen anstatt Soloarbeiten. Wir wollen mit vielen arbeiten. Dadurch entsteht auch eine ganz andere Dynamik.

Sigrun Kubin: Das Projekt ist in 3 Phasen aufgebaut. In der ersten Phase kann jeder teilnehmen. Es ist sozusagen die „Grundausbildung“, Basisarbeit im Schauspielen und Orientierung, ob mir die Gruppe überhaupt liegt. Die zweite anschließende Phase soll das Gelernte vertiefen und bietet Raum für Improvisationen. Die dritte Phase sind die Proben und der letzte Feinschliff auf dem Weg zum fertigen Theaterstück, welches dann in bühnenreifer Form aufgeführt wird.

Manche Dinge im Schauspielen benötigen Wissen und Praxis.

Das Angebot zu diesen Preisen ist schon teuer, reicht das auch zum Leben für euch?

Julian Knab: Wenn man die Preise so liest, da kann mancher schlucken, aber es ist ein langes Projekt und es hat das Ziel einer kompletten Aufführung. Es kommt nichts mehr dazu – keine Aufschläge für Raummieten, Requisiten oder andere Extrakosten. Da ist alles inbegriffen und trotzdem ist es knapp kalkuliert.

Allerdings ist das fast alles zum Selbstkostenpreis. Um über die Runden zu kommen, müssen wir noch andere Sache machen wie z.B. Sprechunterricht oder Schultheaterproduktionen…

Außerdem es gibt schon viele Leute in Tübingen, die studieren und die in 2 Jahren ganz andere Ziele und Prioritäten haben und für den einen oder anderen kann sich so ein Zeitraum von 14 Monaten erst mal schwierig anhören. Deshalb wird nach jeder Phase neu entschieden.  Als Beispiel: du machst die erste Phase und bis zum letzten Tag kannst du dich entscheiden, ob du die zwiete Phase auch machen willst. Selbst bis zum Ende der zweiten Phase kannst du entscheiden, ob du die dritte Phase, also die konkrete Inszenierungsarbeit bis zur Aufführung, mitmachen willst.

 

Wer sich sein eigenes Bild vor Ort machen will, der kann die Schnuppertage des Projekts besuchen.

Für alle Interessenten zum weiterlesen auf der Homepage :  http://www.stagejumpers.de/?Stagejumpers_Projekt

 

 

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