Wortgefecht der besonderen Art

Sollte Gehirndoping erlaubt sein? Zu dieser Frage lieferten sich Studenten des ältesten Debattierclubs Deutschlands „Streitkultur“ mit renommierten Professoren aus den Fachrichtungen Jura, Medizinethik und Psychologie am vergangenen Mittwoch ein unausgeglichenes Duell im Kupferbau. Im Kampf mit Argumenten glänzten die Professoren nicht nur mit ihrem Fachwissen, sondern auch mit rhetorischer Raffinesse.

Der Hörsaal Nummer 024 ist fast voll, immer wieder kommen Nachzügler, die sich schnell auf die wenigen freien Plätze stürzen. Der Blick in den Hörsaal lässt auf eine normale Vorlesung schließen, aber auf der Bühne des Hörsaals ergibt sich ein ungewohntes Bild:  statt dem einsamen Rednerpult in der Mitte des Saales, sitzen rechts und links davon Studenten und Professoren. Sowohl optisch als auch mental sind diese beiden Fraktionen getrennt. Links die Studenten, rechts die Professoren und in der Mitte, der Vorsitzende des Debattiervereins „Streitkultur“Lennart Lokstein.

Taktisch kluges Debattieren

Mit einem antiken kleinen Richterhammer und einer Glocke bewaffnet, eröffnet Lokstein das Duell Professoren vs. Studenten. Schnell wird klar: hier geht es nicht um langweilige, einschläfernde Vorträge, sondern um taktisches Debattieren. Die Regeln dazu sind klar festgesetzt, nun offenbaren  auch der Richterhammer und die Glocke ihre wahre Funktion. Jedem Redner wird eine Sprechzeit von exakt sieben Minuten zugesprochen, nach der ersten verstrichenen Minute, die mit einem Klopfen des Hammers signalisiert wird, dürfen Fragen an den Debattant gestellt werden, am Ende der Sprechzeit erfolgt ein zweites Klopfen und wird die Sprechzeit überschritten, kommt die Glocke zum Einsatz. Thema der Debatte an diesem Abend ist die Frage nach Legalisierung von „Gehirndoping“. Das Los entscheidet dabei vorab welche Position die Fraktionen vertreten.

 „Statt zu rauchen solltet ihr viel schlafen, viel trinken und freien Sex genießen“.

Kaum hat die Debatte ihren Anfang genommen, wird schnell deutlich, welche Partei vorne liegt. Hatten die Studenten den Vorteil, die Debatte eröffnen zu dürfen, kontern die Professoren aufgestellte Argumente, wie das Vertrauen auf die Vernunft der Konsumenten und die Eigenverantwortung im Umgang mit Doping, mit purem Fachwissen. So sieht Prof. Wulf aus juristischer Sicht durch Zwang angewandtes Gehirndoping als Körperverletzung. Der besonders charismatische Redner Prof. Wiesing untermauert die These seines Kollegen aus medizinisch-ethnischer Perspektive. So ist es für Wiesinger nicht in Ordnung, Nebenwirkungen für Leistung in Kauf zu nehmen, im Gegenteil hält er die wissenschaftliche Nachweisung der Wirkung dieser Mittel für fragwürdig. Auch vor dem Klischee des haschischrauchenden Studenten schrecken die Profs nicht zurück, der Tipp von Prof. Hautzinger: „Statt zu rauchen solltet ihr viel schlafen, viel trinken und freien Sex genießen“. Standardaussagen, könnte man meinen, kämen diese Ratschläge nicht von einem Experten für die Behandlung von Alkohol- und Drogenabhängigkeit. Und so müssen sich trotz großer Erfahrung auch die süddeutschen Meister im Debattieren, Nikos Bosse und Konrad Gütschow dem geballten Fachwissen und der jahrelangen, hart erkämpfter Rhetorik der Professoren am Ende geschlagen geben.

© | Lisa Wazulin
© | Lisa Wazulin

Kuchen für alle

Denn gegen die Argumente dieser wortgewandten Herren können auch die Wortmeldungen der Studenten nur wenig ausrichten, längst steht das Publikum auf der Seite der Profs, die Luft ist raus bei den studentischen Debattanten, auf den Einwand, dass hohe Preise für Dopingmittel eine soziale Schranke hervorrufen, antwortet die letzte Debattantin Marie Rulfs schlicht „dieser Punkt ist zu vernachlässigen“ und erntet mit diesem schwachen Argument Gelächter im Saal. So ist es für die Profs ein leichtes, diese Debatte siegreich zu beenden, deren Ausgang  bereits vor ihrem Beginn abzusehen war. Die vorbereitete Torte für die Sieger scheint fast wie gemacht für die Professoren, die es sich nicht nehmen lassen, sich ihren Sieg gemeinsam mit den Verlieren schmecken zu lassen. Aber auch diesen dürfte mittlerweile klar sein, dass es gegen jahrelange Hörsaalerfahrung und Fachwissen einfach keine schlagenden Argumente gibt.

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