„Was für andere der Sport, das ist für mich die Musik“

Am Sonntag führt der akademische Chor zusammen mit dem Uni-Orchester und Solisten den Paulus von Felix Mendelssohn Bartholdy in der Stiftskirche auf. Ein großes Oratorium kommt hier zur Aufführung; wer die Personen zu den Stimmen sind und wie viel Arbeit hinter einer solchen Aufführung steckt, bleibt bei solchen Ereignissen jedoch oft im Hintergrund. Wir haben einen Blick hinter die Kulissen geworfen und uns mit Ines über ihr Engagement im Chor unterhalten.

Ines, du singst im akademischen Chor der Uni Tübingen und am Sonntag tretet ihr in der Stiftskirche auf. Seid ihr bereit für das Konzert oder wird noch bis zuletzt fieberhaft geprobt?

Also es läuft ganz gut mit der Vorbereitung, wir hatten auch neulich noch ein Probewochenende und sind jetzt insgesamt gut drin im Stück. Jetzt freuen wir uns drauf, es endlich aufführen zu können und es auch mal komplett zu singen – in den Proben singt man ja doch meistens nur einzelne Passagen.

Euer erstes Konzert habt ihr am Freitag in Stuttgart, am Samstag geht’s dann nach Calw und am Sonntag singt ihr in der Stiftskirche in Tübingen. Was erwartet die Besucher bei eurem Konzert?

Also wir singen den Paulus von Felix Mendelssohn Bartholdy, das ist ein Oratorium für Chor, Orchester und Solisten. Ein Oratorium ist eine ganz spezielle Form von Musik: es kann richtig laut, aber auch wieder sehr leise und nachdenklich werden. Und wie der Titel „Paulus“ schon sagt, ist der Text zur Musik biblisch. Es ist ein großes Werk, das in seiner Gesamtheit eine ganz besondere Wirkung hat.

So ein großes Werk zur Aufführung zu bringen ist sicherlich viel Mühe. Wie viel Arbeit steckt dahinter, ein solches Stück einzustudieren?

Es hängt da schon sehr viel dran. Zuerst müssen Chor und Orchester jeweils für sich Proben. Wir vom Chor haben jeden Dienstagabend geprobt und hatten für den Paulus insgesamt zwei Probewochenenden. Und auch zu Hause musste man ab und zu über die Stücke drüberschauen, weil natürlich nicht jede Passage mit jeder Stimme einzeln geprobt werden kann.

In den letzten Wochen hatten wir Proben mit dem Orchester zusammen, um alles zusammenzusetzen. Insgesamt ist das die Arbeit für ein ganzes Semesters.

Warum hast du dich persönlich dazu entschlossen, im Chor mitzusingen?

Ich sage immer „was für andere der Sport, das ist für mich die Musik“. Es ist einfach ein schöner Ausgleich zum Uni-Alltag. Ich habe in meiner Freizeit schon immer Musik gemacht. In der letzten Zeit war ich eher im Orchester und da hatte ich mal wieder Lust, im Chor zu singen. Außerdem hat mich das Programm angesprochen.

Und warum nicht in einer anderen Art von „Musikgruppe“ zum Beispiel in einer Band?

Ich habe einen eher klassischen musikalischen Background. Ich habe auch immer schon gerne geistliche Werke gesungen oder gespielt und deshalb reizt mich das auch heute noch mehr als andere Formen von Musik. Und auch innerhalb der Klassik gibt es ja sehr unterschiedliche Richtungen, Epochen und so weiter. Es ist also trotzdem abwechslungsreich. Außerdem war ich auch nie so die Bandmusikerin oder Gospelsängerin.

Wie unterscheidet sich das Singen im Chor vom Solo-Singen?

Naja, der Unterschied ist, dass es im Chor viel um Teamarbeit geht, genau wie im Orchester. Es geht ja nicht nur darum, dass man selbst seine Stimme beherrscht, sondern dass man eine Klangeinheit schafft: zunächst innerhalb der eigenen Stimme und dann mit den anderen Stimmen zusammen. Das ist bei Soli natürlich anders. Ich persönlich ziehe das Singen im Chor vor.

Ihr seid eine ziemlich große Gruppe von etwa 70 Personen. Was macht eure Gemeinschaft aus?

Obwohl ich noch relativ neu bin, ist das für mich eine sehr schöne Gemeinschaft. Wir reden viel, gehen auch ab und zu was trinken und das ist einfach eine nette Atmosphäre. Das ist mir persönlich auch sehr wichtig, dass nicht nur das Singen im Vordergrund steht, sondern auch das Soziale stimmt.

Was muss man mitbringen, wenn man sich bei euch engagieren will?

Es ist auf jeden Fall von Vorteil, wenn man schon Erfahrung in anderen Chören gesammelt hat. Ja, Chorerfahrung ist auf jeden Fall von Vorteil. Man muss dann auch vorsingen bei unserem Universitäts-Musikdirektor. Aber der ist ganz nett (lacht). Und ansonsten würde ich sagen, dass es jeder ausprobieren sollte, der Lust dazu hat. Klar, ein gewisses Niveau wird schon erwartet, aber es ist vor allem wichtig, dass man bereit ist, sich einzubringen.

Man hört ja oft, dass jeder Mensch singen kann. Dennoch gibt es gewisse qualitative Unterschiede von Stimme zu Stimme. Was kann man tun, um seine Stimme zu trainieren?

Ich würde es anders formulieren. Jede Stimme kann ausgebildet werden. Man kann mit jeder Stimme arbeiten, die eine braucht vielleicht mehr Hilfe dabei als die andere. Aber man kann auf jeden Fall an jeder Stimme arbeiten. Das kann man zum Beispiel machen, indem man Gesangsunterricht nimmt – oder eben in einem Chor singt. Und das bringt dann nicht nur was fürs Singen an sich. Es wirkt sich zum Beispiel auch aufs Sprechen und auf das ganze Körpergefühl aus. Singen ist schon Ganzkörper-Arbeit. Aber es macht Spaß und lohnt sich!

 

Sonntag, 19.01.2014, 19 Uhr Stiftskirche Tübingen

AK: 18 EUR, ERM: 9 EUR

 

Das Interview führte Katharina Spitz

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