Null vorbereitet? Perfekt!

Wenn die Ankündigung, dass keiner der Schauspieler auch nur im geringsten geprobt hat die Zuschauer in den Saal lockt, dann weiß man es ist Zeit für Impro am Stück. In einem abendfüllendem Programm, erdenken sieben Impro-Schauspieler des Harlekin-Theaters Tübingen ein gesamtes Stück, ohne sich vorher vorbereitet zu haben. Das Publikum ist begeistert, die Schauspieler talentiert, die Spielleitung geschickt. Impro am Stück ist sehenswert – für jeden.

 

(Samuel Zehendner und Harry Kienzler, zwei der Harlekine die an diesem Abend mitspielten)
(Samuel Zehendner und Harry Kienzler, zwei der Harlekine die an diesem Abend mitspielten)

Der Raum ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Aus der Menge kommen immer neue Vorschläge, Buhrufe, Applaus und – mehr als alles andere – Gelächter. Am Mikro: Volker Quandt, auf der Bank: sieben Schauspieler des Harlekin-Theaters. Dort werden sie nicht lange bleiben. Die Stimmung ist gut bei Impro am Stück, der Veranstaltung der Tübinger Theatersportler im Landestheater Tübingen. Der Theatersport ist in Tübingen bereits etabliert, Impro am Stück ist nun der nächste Schritt. Hier wagen die Schauspieler etwas, was in diesem Format den meisten nicht bekannt sein dürfte: Sie versuchen mit minimalen Vorgaben des Publikums im Laufe des Abends ein zusammenhängendes Theaterstück aufzuführen – ohne auswendig gelernten Text, ohne Proben, ohne jegliche Art von Vorbereitung.

Was klingt wie ein unmögliches Unterfangen, gelingt so gut, dass es fast traurig ist, dass niemand außer der an diesem Abend anwesenden Gäste das Stück je sehen wird. Aber das gehört wohl mit zum Reiz von Impro am Stück. Das Publikum bestimmt den Namen des Stückes, das Genre und charakterisiert drei der Schauspieler; alles andere ergibt sich von selbst. An diesem Abend heißt die Vorstellung „Der Heimkehrer“ und soll im Stil von Berthold Brecht gespielt werden. Aus drei Figuren, die zunächst nichts miteinander zu tun zu haben scheinen, werden durch geschicktes improvisieren im Laufe des Abends sieben Charaktere, die eine gemeinsame Vergangenheit haben, welche  sich zu entdecken lohnt.

 Gesang und Zugabe – das Publikum bekommt nicht genug

Obwohl – oder gerade weil – alles improvisiert ist, merkt man den Schauspielern ihre Professionalität deutlich an. Volker Quandt, Leiter der Impro-Akademie Tübingen, bestimmt wann eine Szene endet und wo und mit wem die nächste anfängt, doch der Rest ist den Schauspielern überlassen. Man hat als Zuschauer das Gefühl es macht den Darstellern großen Spaß sich gegenseitig in die Bredouille zu bringen, um zu sehen wie der andere reagiert. Zum Glück, dadurch wird es nie langweilig! Für Kurzweil sorgen auch regelmäßige Gesangseinlagen, bei denen weniger die Qualität der Stimme (die ist bei den wenigsten Eurovision Song Contest geeignet), als der Inhalt zählt. Wer sich schon beim Gedichte schreiben hinter zugezogenem Vorhang zu Hause schwer tut, den werden die aus dem Stehgreif gereimten Texte garantiert überwältigen.

Von der Bühne kommt plötzlich ein Schrei. Das Stück endet mit zwei Toten, langersehnter Rache und einem wiedervereinten Liebespaar. Der Applaus will gar nicht mehr aufhören. Die Schauspieler müssen mehrere Male herauskommen um sich zu verbeugen und geben dann sogar noch eine Zugabe. Man merkt, das Publikum ist tief beeindruckt und wäre auch noch länger geblieben. Irgendwann muss der Abend dann aber leider doch ein Ende finden. Macht nichts, man kann sich ja schon auf’s nächste Mal freuen! Der nächste Termin ist dann zwar leider erst der 17.5.2014, aber bis dahin kann man sich das Warten mit dem regulären Theatersport versüßen, der findet bereits am 29.12.2013 wieder statt. Impro am Stück ist ein Muss, nicht nur für ergraute Theaterliebhaber, sondern für jeden, der einen unterhaltsamen Abend verbringen will.

Mehr Impro-Theater:

 

www.harlekintheater.de

www.landestheater-tuebingen.de

www.improakademie.de

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