Wieso, weshalb, warum?

Die Kinder-Uni erklärt Schülern die Welt der Wissenschaft

Auch dieses Jahr lockt die Kinder-Uni wieder hunderte Mädchen und Jungen an. Professoren beantworten Sieben- bis Zwölfjährigen wichtige Fragen des täglichen Lebens — Uni für die Kleinen sozusagen.

von Ann-Kathrin Knupfer und Ines Pfister

Dienstag Nachmittag im Kupferbau: Es ist ungewöhnlich laut in Hörsaal 25. Fast alle Plätze sind belegt. Auf den Tischen liegen Stifte und Blöcke, die oft Bilder von Blumen oder Robotern zeigen. Kein Wunder — ihre Zeichner sind zwischen sieben und zwölf Jahren alt. Heute ist Kinder-Uni.
Das Thema spaltet die heranwachsenden Gasthörer in zwei Lager. „Warum Mädchen klüger sind als Jungs“ löst Protest unter den jungen Männern aus. Professorin Dr. Karin Amos führt die Schüler spielerisch an das Thema heran. „Wissenschaftler, Detektive und Kinder haben etwas gemeinsam: Sie sind neugierig und wollen immer Beweise sehen“, sagt die Professorin für Erziehungswissenschaft, die auch Gleichstellungsbeauftragte der Uni ist. Während sie erklärt, dass Mädchen im Schnitt die besseren Schulabschlüsse erreichen, lauschen die kleinen Wissenschaftler gebannt. Wenn sie anderer Meinung sind, melden sie sich ohne Scheu. „Die Kinder haben keine Berührungsängste“, sagt Professorin Amos nach der Vorlesung. „Ich wünsche mir, dass sie das mitnehmen. Wir wollen schließlich auch Kinder erreichen, die sonst nicht zur Uni gehen würden.“

Neue Erfahrung für Groß und Klein

Nach einer halben Stunde werden die Mädchen und Jungen unruhig. Professorin Amos schließt die Vorlesung mit dem Ergebnis, dass Klugheit nicht generell mit besseren Schulnoten und somit gar nicht mit dem Geschlecht zusammenhängt. Aus der Zuhörerschaft kommt der weise Satz: „Das ist ja auch ziemlich unterschiedlich!“
Bei den jungen Gasthörern kommt die Vorlesung gut an. Mose ist schon öfter hier gewesen. „Das ist viel besser als Schule!“, sagt der Achtjährige. Studieren möchte er eines Tages auch, was genau, weiß er noch nicht.
Auch Professorin Amos hat eine einmalige Erfahrung gemacht. „Es war spannend, ein ganz anderes Publikum zu haben“, sagt sie begeistert, „nächstes Mal würde ich allerdings mehr Action reinbringen.“ In der Woche davor konnten die Kinder beispielsweise im Hörsaal Fledermäuse bestaunen.
Damit keine Langeweile aufkommt, dürfen die kleinen Studierenden die Themen mitbestimmen. Das letzte Wort hat jedoch das Schwäbische Tagblatt, mit dessen Hilfe die Uni das Projekt 2002 gründete. Insgesamt umfasst das Vorlesungsprogramm der Kinder-Uni sechs Termine, die einen Rundumblick von der Biologie bis hin zu der Psychologie im Angebot haben. Dabei sind die Plätze in den Vorlesungen ausschließlich für die kleinen Forscher reserviert, die Eltern müssen vor den Hörsaaltüren auf ihren Nachwuchs warten.

Zeugnis als Erinnerung

Die Kinder-Uni soll die Schüler spielerisch an den Unialltag heranführen und so erzählt der Mitbegründer der Kinder-Uni Michael Seifert stolz, dass bereits die ersten Teilnehmer nun selbst als Studierende in Tübingen unterwegs sind. Fragt man den ehemaligen Pressesprecher der Eberhard-Karls-Universität nach dem Warum, erhält man die einfache Antwort: „Kinder stellen so viele Warum-Fragen.“ Als Krönung der jährlichen Kinder-Uni erhalten die Studierenden für einen Tag ein Teilnehmerzeugnis, das sie zufrieden mit nach Hause nehmen.
Die Kinder-Uni entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einem bundesweiten Phänomen mit über zweihundert Mitinitiatoren. Das Konzept aus Tübingen findet inzwischen Nachahmer in Ländern wie Kanada, Japan, Russland und Indien. Schätzungsweise über eine Million Kinder waren weltweit bereits bei Kinder-Unis dabei. Auch die Tübinger Vorlesungen sind mit über 400 wissbegierigen Schülern immer gut gefüllt. Manchen geht die Kinder-Uni sogar über Kino und Topfschlagen: Die siebenjährige Maren feiert an diesem Tag ihren Geburtstag im Hörsaal. Offen blieb letztendlich nur die Frage, ob die Mädchen und Jungen der Geburtstagstruppe nun sich selbst oder das andere Geschlecht schlauer fanden.

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