You are the Future

21 Tübinger Studierende in New York City

Nach halbjähriger Vorbereitung vertreten die Tübinger Studierenden im März 2013 das Land Australien bei National Model United Nations — der weltgrößten Simulation der Vereinten Nationen. Die fünftägige Konferenz versammelt circa 5000 Studierende aus aller Welt in New York City.  Ein Erfahrungsbericht.

von Isabel Kommol

Sonntag, 17. März

„You are the future!“ Mit diesen Worten begrüßt uns der Portier des Sheraton Times Square Hotels in Midtown Manhattan. Es ist Tag eins von National Model United Nations (NMUN) New York 2013 und damit Anreise- und Eröffnungstag. Wie die Heuschrecken fallen Studierende aus aller Welt im Hotel ein. In der Lobby ist bald kaum ein Durchkommen möglich. Angesichts des großen Andrangs verlässt so manch normaler Gast mit sorgenvollem Blick fluchtartig die Lobby. Im „Tower“ des Hotels sind die Aufzüge dem Ansturm nicht gewachsen.
Bereits nach zehn Minuten machen wir Bekanntschaft mit Studierenden aus dem Irak. Neben arabischen und spanischen, sind auch japanische Sprachfetzen zu vernehmen. Dass man sich mit Betreten des Hotels an die vorgegebene Konferenzsprache — Englisch — zu halten hat, gerät bei der Aufregung der ersten Eindrücke in Vergessenheit. Zu den bei NMUN nachgestellten 19 Komitees gehören unter anderem der Sicherheitsrat und UNICEF. Als Australische Delegation sind wir in elf dieser Komitees vertreten, deren Größe von etwa 30 bis zu 400 Leuten variiert.
Die Eröffnungsfeier beginnt und nach mehreren Reden setzt der Generalsekretär zum entscheidenden Satz an: „I declare NMUN New York 2013 open!“ Endlich geht es los! In den Komitees sind alle gespannt auf die Ideen der anderen Delegierten. Einige sind in ihrem Verhandlungseifer nicht zu bremsen. Nach Ende der ersten „Committee Session“ begeben wir uns um 23 Uhr auf die Suche nach einem „Abendessen”.

Montag, 18. März

Die freie Zeit zwischen den Verhandlungen nutzen wir für Strategiebesprechungen bei Starbucks oder ein gemeinsames Mittagessen mit koreanischen und kanadischen Studierenden, die „Spanien” und „China” vertreten. Um dem Transportchaos an den Aufzügen zu entgehen, haben die findigeren Studierenden kurzerhand die Feuertreppe zweckentfremdet. In den Komitees läuft derweil alles nach Plan.

Dienstag, 19. März

Um 8 Uhr morgens sitzen wir im Konferenzsaal und arbeiten am Text unserer „Resolution-to-be”. In einer Stunde beginnen die „Committee Session” des berühmt-berüchtigten „Melt Down Tuesday”. Der längste Tag der Konferenz trägt nicht umsonst diesen Beinamen. Bis 22.30 Uhr jagt eine Verhandlungsrunde die nächste. Selbst die äußerst taffe „Madame Director“ in der Internationalen Atomenergie-Organisation fühlt sich heute bemüßigt uns zu erinnern, das Essen und Trinken nicht zu vergessen. Auf den Rettungswagen für dehydrierte Delegierte möchte man dieses Jahr verzichten.

Mittwoch, 20. März

Mit jedem Konferenztag sehen viele Gesichter müder aus. Nochmals wird über die Israelische Siedlungspolitik, Menschenhandel, Nahrungsmittelsicherheit, den Kampf gegen den illegalen Waffenhandel oder den verbesserten Zugang zu Bildung verhandelt. Die letzte Möglichkeit die Resolutionstexte zu ändern, lässt doch noch Hektik aufkommen. Die Abstimmungen ziehen sich teils bis zum Abend.

Donnerstag, 21. März

Nach mehreren Tagen in den Konferenzsälen des Hotels dürfen wir endlich in das Herzstück der Vereinten Nationen — krönender Abschluss ist die „Closing Ceremony” in der Halle der Generalversammlung. Als letzte Amtshandlungen vertagen die studentischen Delegierten die Konferenz auf nächstes Jahr. Bevor abends die Abschlussparty im „Terminal 5“ auf dem Programm steht, lassen wir die Konferenz in einem australischen Restaurant ausklingen. Die vergangenen Tage waren spannend, bereichernd, zuweilen hektisch und niemals langweilig. Sie hielten von hitzigen Diskussionen über nette Bekanntschaften und unauffindbaren Delegierten bis zu erfolgreichen Abstimmungen vieles bereit. Auf die nächste Delegierten-Generation wartet 2014 eine abwechslungsreiche Zeit.

 

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