Es war einmal - das Clubhausfest?

Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht

Während die Studierenden der Uni jahrelange Versäumnisse vorwerfen, sieht diese entsprechenden Handlungsbedarf erst seit Oktober 2011. Als sich die beiden Parteien endlich auf eine Alternativlösung einigen können, ist die Hälfte des Semesters bereits verstrichen.

von Isabel Kommol


Es ist der 13.10.2011, der erste Donnerstag im Semester, Tag des Dies Universitatis und des Alternativen Dies und damit auch traditionell der Tag des ersten Cubhausfestes. Eigentlich. Doch dieses Mal kommen den Studierenden kurzerhand und unerwartet Brandschutzmängel am großen Saal des Clubhauses in die Quere. Das bereits auf die Veranstaltung hinweisende Banner musste wieder abgenommen werden. Anstatt des Clubhausfestes findet eine spontane Demonstration statt.

Schuld an der Misere ist ein fehlender Fluchtweg. Für die Clubhausfeste werden der große und der kleine Saal im oberen Stockwerk als Tanzfläche genutzt. Sorge bereitet der große Saal. Er besitzt zwar zwei Ausgänge, allerdings befinden sich diese auf der gleichen Seite. Zur Einhaltung der Brandschutzbestimmungen bedarf es aber zweier Fluchtwege in unterschiedliche Richtungen. Diese Tatsache bemängelt bereits ein Gutachten des Eigentümers des Clubhauses, des Amtes für Vermögen und Bau, vom 22.12.2005. „Gegen die Nutzung der Versammlungsräume im OG bestehen feuersicherheitliche Bedenken: Begründung: 1. Der Clubraum III besitzt in diesem Geschoss keine zwei voneinander unabhängige Rettungswege.“

Im Oktober 2011 erfolgte auf Initiierung der Zentralen Verwaltung der Uni abermals eine Brandschutzbegehung um den Stand der Umsetzung der Brandschutz-Auflagen von 2005 zu überprüfen. Diese resultierte in der sofortigen Schließung des großen Saals wegen der „Gefahr für Leib und Leben“. Denn die Anforderung der Einrichtung des zweiten Fluchtwegs war nach wie vor nicht umgesetzt. Daher auch der Vorwurf der Studierenden, ausschlaggebend für die Sperrung am 12.10.2011 seien sechs Jahre alte Fakten.

Im alten Gutachten steht, dass es zwingend nötig ist, Maßnahmen zu ergreifen. Da diese nun aber nicht ergriffen wurden, sah sich der Verantwortliche gezwungen, den Saal zu schließen.“, bestätigt Kim Dienelt vom AStA. Dementsprechend wenig Verständnis hat auch die FSVV: „Wir haben die Unileitung jedes Semester aufs Neue aufgefordert die nötigsten Sanierungsmaßnahmen im Clubhaus durchzuführen und für den großen Saal einen zweiten Fluchtweg zu bauen und haben nicht das Gefühl gehabt gehört worden zu sein.“

Ihrem Unmut machten die Studierenden jeden Donnerstagabend mit einer Spontandemonstration Luft; wahlweise auf dem Rektoratsparkplatz, im Ehrenhof der Neuen Aula oder vor der UB. Als das Winterwetter die erhoffte Kälte verweigerte, sah sich OB Palmer nach einigen Wochen genötigt, dem Spuk höchstpersönlich ein Ende zu bereiten und die Untersagung von „Keinclubhausfest“ anzuordnen.

Eine überdachte Lösung musste her. Uni und Studierende diskutierten unterschiedliche Möglichkeiten. Doch sowohl die Shedhalle, als auch die Mensen Wilhelmstraße und Morgenstelle scheiterten an zu geringem Lärmschutz, zu hohen Kosten und zu großer Entfernung. Am Mittwoch, den 7.12.2011 kam endlich das OK für den von den Studierenden favorisierten Kupferbau. Wegen bürokratischer Hürden konnte erst eine Woche später, am 15.12. das erste und einzige Kupferbaufest 2011 stattfinden. Dies führt zu einer Bilanz von maximal fünf Kupferbaufesten in 15 Vorlesungswochen im WS 11/12.

Der eigentliche Unruhestifter ist mit denkbar einfachen Mitteln in den Griff zu kriegen. In die Außenwand des Clubhauses wird ein Loch gerissen, eine Tür eingebaut und eine Feuertreppe angebracht. Die Kosten werden sich vermutlich auf 50.000 bis 80.000 Euro belaufen. Die Bauarbeiten sollen in den Semesterferien vonstattengehen, so dass der große Saal im SS 12 wieder benutzbar ist. Laut Kanzler Rothfuß könnten lediglich Denkmalschutzprobleme dieses Vorhaben noch vereiteln.

Nach „Keinclubhausfest“ landete der Müll regelmäßig auf dem Privatparkplatz des Rektors. „Erinnerungsaktion für die Uni“ nennt Kim Dienelt das. Ob sie dem Interesse der Studierenden tatsächlich zuträglich war, sei dahingestellt. Tatsache ist aber, dass der Ausfall des Clubhausfestes vielen studentischen Gruppen Finanzierungslücken beschert. Für Herrn Rothfuß ist das kein Argument; dann müsse man sich eben nach anderen Finanzierungsmöglichkeiten umsehen. Der ideelle Wert des Clubhausfestes kommt gar nicht erst zur Sprache.

Der Verdacht aber drängt sich auf, dass der von Uni und Stadt geäußerte und munter durch die Presse gegeisterte Vorwurf, die Studierenden demonstrierten nur für solch triviale Dinge wie Party, doch etwas zu kurz gegriffen ist.

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