Fussball + Festival = Kommando-Cup

Das „Kommando Horst Hrubesch“ veranstaltet seit 10 Jahren ein Fußball-Turnier der besonderen Art.

Einmal im Jahr kommen beim „Kommando Cup“ (nicht nur) Fußball-Freaks zusammen um zu „bolzen“ und zu feiern. Kupferblau war dabei und hat sich das Tübinger Kult-Event angesehen.

von Fabian Everding

„Auf Jungs, auf gehts!“ feuert ein Auswechselspieler von „Motor Weißelstein“ seine Mannschaft an und kommentiert einen geschickten Pass vom Rand des Feldes aus: „Jawoll!“

Als am 6. Juni gegen 14 Uhr „Uni Dive United“ gegen „Red Eyes“ antreten, müssen erstmal zwei Hunde vom Feld geholt werden, bevor das Spiel beginnen kann. Das „Feld“, das ist der unebene Rasen auf dem alten Lustnauer Sportplatz, zu finden direkt an der Landstraße „L1208“, besser bekannt als die alte B27 zwischen Bebenhausen und der Kreuzung am Wiener Wald.
Was hier auf dem ungleichmäßig bewachsenen Grün alljährlich stattfindet, hat mit Profi-Fußball soviel zu tun wie der DFB mit Mannschaftssport aus Leidenschaft: Wer hier kickt, dem geht es nicht primär ums Gewinnen, sondern um den Spaß am Spiel und an allem, was um die Turniere herum noch stattfindet. Beim Kommando-Cup kommen jedes Jahr in etwa die gleichen Teams zusammen um gegeneinander anzutreten. Man kennt sich über private Kontakte.

Angefangen hat alles vor 11 Jahren, als Peter Z. seinen 30. Geburtstag auf dem Gelände gefeiert und dafür gemeinsam mit seiner Hobby-Mannschaft, dem „Kommando Horst Hrubesch“, den ersten „Kommando-Cup“ organisiert hat. Das Konzept war von Anfang an klar: „Fußball darf nicht das Einzige sein, sondern die Party danach ist genauso wichtig.“

Deswegen gehen auch nur wenige nach Hause und andere kommen sogar erst, als die Dämmerung hereinbricht und die letzten Spiele längst vorbei sind. Nach dem schon legendären „Blutgrätsch-Wettbewerb“ am frühen Abend, bei dem sich die Teilnehmer auf einer rutschigen Plastik-Folie mit Anlauf so fallen lassen müssen, dass sie einen dahinter am Torbogen hängenden Dummy möglichst fies am Schienbein erwischen, fängt auf der Bühne das erste Konzert an. Die „Cyco Sanchez Supergroup“ macht den Anfang und um kurz nach halb eins hören dann auch die Live-Electro-Performer von „Stullenheimer“ aus Stuttgart auf zu spielen.

Bevor dann gegen fünf Uhr morgens die letzten nach Hause gehen oder sich in ihr Zelt zum Schlafen legen, wird noch aufgelegt und abgetanzt. Einige DJs des freien Radios Wüste Welle legen in einem zu allen Seiten offenen Zirkuszelt elektronische Musik auf. Die Stimmung wirkt ausgelassen und entspannt zugleich.

Inzwischen ist das Event über Tübingen hinaus bekannt, obwohl die Organisation eher informell läuft. Offiziell bei der Stadt anmelden, da ist sich Peter Z. sicher, könnte man das Mini-Festival nicht. „Das geht schon damit los, dass vorne an der Straße eine Schranke ist, die man nicht einfach so aufmachen darf.“

Die im Vorfeld auf kleinen Flyern als „11. und letzter Himmelfahrtskommando-Cup“ nur im kleineren Rahmen beworbene Veranstaltung könnte indes die letzte ihrer Art gewesen sein: Nach 11 Jahren will sich Peter Z. aus der Organisation zurückziehen und hinterläßt eine Lücke, die nun von neuen Leuten gefüllt werden muss: Von ihrem Engagement hängt nun die Zukunft eines Traditionsevents der alternativen Veranstaltungskultur in Tübingen ab. Hoffen wir das Beste!

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